Nachträge.
ad I. Kirche St. Maria auf dem Harlunger-Berge.
Den im Texte angeführten Zeichnungen und Platten, durch welchedas zerstörte Bauwerk abbildlich erhalten worden ist, ist noch eine, imArchive der Bau-Abtheilung des Königl. Handels-Ministeriums auf-bewahrte Original-Zeichnung hinzuzufügen, welche den auf Bl. II, Fig. 1mitgetheilten Längenschnitt ohne bemerkenswerthe Abweichungen dar-stellt. Die Zeichnung stammt wahrscheinlich aus Brandenburg.
ad III. Kapelle St Peter.
Der S. 11 erwähnte, in St. Peters-Kapelle vorhandene Grabsteinaus gebranntem Thon ist das einzige wohlerhaltene Denkmal dieser Tech-nik in Brandenburg, woselbst nach Bruchstücken zu urtheilen, derartige ,,Monumente zahlreich vorhanden waren. Derselbe ist Bl. XX, Fig. 11 |
abgebildet und zeigt in trefflich maafsvoller Reliefbehandlung die in der jTracht der bei St. Peter bestehenden geistlichen Brüderschaft gekleidete i!Wittfrau Elisabeth Winkelmaafs. Auf diesen Namen scheint sich das ! !zu ihren Füfsen befindliche redende Wappen zu beziehen. Leider ist jjdie umlaufende Inschrift theilweis zerstört, so dafs das Todesjahr un- jbekannt bleibt, — doch deutet die Schrift und die stylistische Behand-lung des Wappens auf den Anfang des XVI. Jahrh. Möglich ist es jjdaher, dafs Wittwe Elisabeth als wohlthätige Förderinn des letztenGewölbebaues von 1521 in der von ihr unterstützten Kapelle eine be-sonders ausgezeichnete Ruhestätte empfangen hat. Das einfach schöne ,,
und wohlerhaltene Denkmal verdient die sorgfältigste Erhaltung. i
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ad IV. Dom St. Peter und Paul. i!
1 ) In dem mitgetheilten Grundrifse der Krypta mufs der im Süd- jwestlichen Joche angedeutete Eingang in das daneben belegene östliche jjJoch, correspondirend mit dem nördlichen Eingänge verlegt werden ‘).Der gezeichnete Eingang mit den hinabführenden Stufen ist zwar wirk-lich vorhanden, aber erst später bei Abtrennung der westlichen Gewölbe-joche zum Zwecke eines Begräbnifsgewölbes hergestellt worden. Dem-gemäfs war die Krypta, welche urkundlich bis nach der Mitte desXV. Jahrh. gottesdienstlich benutzt wurde, auf der Nord-, Süd- und jjWestseite mittelst vier hinabführender Treppen von dem Langhause wie jden Querschiffen aus zugänglich. !
Hierbei mufs auch die Berichtigung hinzugefügt werden, welche einenochmalige sorgfältige Prüfung bat erkennen lassen, dafs von dem Um- !bau der Krypta im J. 1235 (vergl. oben S. 12) nur der Osttheil mit demauf dicken wulstförmigen Rippen hergestellten Sterngewölbe, sowie die jdreifach durchbrochene Wand, welche Absis und Schiff trennt, herrührt. ^Unzweifelhaft war ursprünglich und sicher noch zu jener Zeit die Krypta j.dreiscbiffig, wie namentlich die westlichen, nach dem Langhause füh-renden Eingänge beweisen. Die jetzige zweischiffige Einrichtung mit jjstrengen Kreuzgewölben auf abgefasten Rippen ist das Resultat des iiersten gothischen Umbaues, der die oberen Chormauern mit den Strebe- ■pfeffern herstellte und die Nebenkapellen auf der Nordseite in beiden !Geschossen von Neuem überwölbte.
2) Der im Dome vorhandene sandsteinerne Taufstein ist auf Bl. XX, jFig. 12 dargestellt. Derselbe ist in Form einer grofsen achteckigenSchaale in schweren gothischen Formen angefertigt, und enthält zwei jReihen figürlicher Reliefs, deren untere Jagdscenen zu behandeln scheint,während die obere der Darstellung neutestamentlicher Erzählungen ge- iwidmet ist.
Die drei mitgetheilten Taufsteine von St. Godehard, dem Dome undSt. Katharina gewähren eine Vorstellung der verschiedenen, dem Mate-riale und der künstlerischen Bildung entsprechenden Behandlungsweisedieser kirchlichen Monumente in der Mark. i 1
3) Nachträglich ist noch der Baumeister des ersten gothischen Um-baues des Domes bekannt geworden 2 ). Sein Name Hinricus de Gar-deleve erscheint mit dem Titel magister structurae als Zeuge nebst an-dern Kanonikern des Stiftes unter einer Urkunde vom J. 1307 beiRiedel A. VIII, 203. — Hierdurch wird die im Heft I, S. 14 und 15ausgesprochene Annahme, dafs der erste gothische Umbau von 1295bis 1310 stattgefunden, entscheidend bestätigt. Diesem Meister Hein-rich v. Gardelegen ist nunmehr mit Sicherheit die jetzige Einrichtungder Krypta mit den acht Gewölben, die veränderte Herstellung der zwei-geschossigen „bunten Kapelle“, der Neubau des Chores mit Strebepfei-
*) Auf diesen Irrthum hat mich Herr v. Quast gütigst aufmerksam gemacht, wofürich dem geehrten Kunstforscher ergebenst danke.
J ) Herr Prof. Heffter in Brandenburg hat diese wichtige, mir entgangene Notiznachträglich mitgetheilt, wofür ich demselben besten Dank sage.
lern, die Verstärkung der Schiffspfeiler mit trefflichen gothischen Pro-filen, die Dienste nebst Konsolen im Mittelschiffe, sowie endlich der alteWestgiebel zuzuschreiben. In allen diesen Theilen offenbart sich eine
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tüchtige Kenntnifs der gothischen Kunstformen und die zweckgemäfseUebertragung derselben für den Backsteinbau.
ad VII. Rathhaus der Neustadt Brandenburg.
Vor dem Rathhause stellt die kolossale, sehr roh gearbeitete sand-steinerne Bildsäule des Roland mit erhobenem Schwerte in der Rechten.Dieselbe ist 18 Fufs hoch und war älteren Mittheilungen zufolge ver-silbert oder silberfarbig bemalt. Auf der Rückseite ist die Jahreszahl1404 eingemeifselt und dieses Datum ist auch anderweitig gesichert,doch läfst sich aus der Tracht und Bewaffnung schliefsen, dafs die Bild-säule nur die Erneuerung einer fast 200 Jahre älteren hölzernen Statuesein kann.
Gesammt - Resultat.
Chronologie der Bauwerke zu Brandenburg ')•
949. (Gründung und Erbauung des ersten Domes St. Peter).1136. (Gründung von St. Maria auf dem Harlunger - Berge).
1138. .(Gründung von St. Godehard).
1158 — 63. (Neubau von St. Godehard). Westfront.
1164 — 65. (Neubau von St. Peters-Kapelle). Unterbau.
1170 — 94. Neubau des Domes St. Peter und Paul.
1170 — 73. Gründung und Bau von St. Nicolaus. Ostseite undUnterbau der Schiffe.
1210. (Gründung von St. Katharina).
1220 — 30. St. Nicolaus. Westseite.
1230—50. (Neubau von St. Maria auf dem Harlunger-Berge).1235. Umbau und Weihung der Krypta im Dome, Ostseite desKreuzganges.
1270. (Vollendung von St. Katharina). Westseite.
1280. Gründung und Bau von St. Johannes. Schiff und Westseite.1286 — 92. Gründung und Bau von St. Paul. Schiff.
Vor 1295. Kreuzgang im Dome. Nordseite.
1295 — 1310. Gothischer Umbau des Domes durch Meister Hein-rich von Gardelegen.
1308—15. St. Paul. Chor und Kreuzgang.
1311 —15. St. Peters -Kapelle. Obermauern.
1320. St. Jacobs-Kapelle. Schiff.
1324 — 48. Neubau von St. Godehard. Schiff und Chor.
1340. Rathhaus der Neustadt. Hintergiebel.
1350. St. Jacobs-Kapelle. Thurm.
1350. Rathhaus der Altstadt. Vordergiebel.
1375. Rathenower Thorthurm.
1377 — 90. Umbau des Domes; Gewölbe, Nordgiebel und West-fapade.
1380. Steinthor-Thurm.
1380. Rathhaus der Altstadt. Hintergiebel.
1381 —1401. Neubau von St. Katharina. Schiff und Frohnleich-namskapelle durch Meister Heinrich Brunsberg von Stettin.1401 — 10. St. Katharina. Südkapelle und Chor.
1411. Mühlthor-Thurm durch Meister Nicolaus Kraft von Stettin.1415 — 20. St. Johannes. Chor (und Wölbung) wahrscheinlichdurch Meister Nicolaus Kraft.
1426 — 35. Dom. Nordthurm und südlicher Treppenthurm.
1428. St. Godehard. Frohnleichnams- und 1. Frauenkapelle.
1440. (Schwanenordenskapelle bei St. Maria auf dem Harlunger-Berge).
1440. St. Johannes. (Kreuzgang).
1456. St. Godehard. Kapelle St. Trinitatis durch Meister Hein-rich Reinstorf.
1465 — 70. St. Godehard. Kapelle des heiligen Kreuzes.
1484. (Erneuerung des Dachreiters auf St. Katharinen-Kirche).1521. St. Peters - Kapelle. Gewölbe und Pfeiler.
1583 — 85. St. Katharina. Thurm der Westseite.
') Die eingeklammerten Bauwerke sind entweder nicht mehr vorhanden, oder nurtheilweise und in späteren Umbauten erhalten.