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ritus mit einer Kapelle genannt und mehrfach beschenkt wird.Diese Stiftung und die dazu gehörige Kapelle nebst Altar sindnoch vorhanden, aber von untergeordnetem architektonischemInteresse.
Baubeschreibung.
Der Grundrifs der Kirche zeigt die klare einheitliche Plan-anlage einer dreischiffigen gewölbten Hallenkirche von mittelgro-fsen Dimensionen. An das sechsjochige Langhaus, dessen Mit-telschiff die für Brandenburg fast typische Breite von 30 Fufs be-sitzt, schliefst sich der im halben Achteck geschlossene vierjochigeChor in gleicher Breite an. An der Südseite liegt der kleine,aber bei aller Einfachheit wirkungsvolle Kreuzgang, — der ein-zige, welcher in Brandenburg noch wohl erhalten ist und da-her eine besondere Berücksichtigung verdient. Da wo der Kreuz-gang mit dem Chore zusammentrifft, erhebt sich der schlankeviereckige Glockenthurm und bildet eine malerische Gruppe mitder Kirche und den anstofsenden Klostergebäuden.
Im Innern der Kirche sind die Längs-Gurtbogen einfachund gut profilirt und ruhen auf starken achteckigen Pfeilernmit schlichten Kapitellen und Basen. Die trefflich ge-mauerten Gewölbe von geringer Busenwölbung besitzenkeine Quergurte, sondern zeigen die Quer- wie Diago-nal-Rippen nach gleichem birnenförmigem Profil ge-bildet. Bl. XX, Fig. 6. Den Anschlufs der Gewölbean die Seiten- und Chorwände vermitteln einfache rundeDienste, welche an der Nordmauer vom Fufsboden anemporsteigen, im Chore aber in der Höhe des Gurt-gesimses aufsetzen und überall mit frühgothischen Kapitellen ge-schmückt sind. Die schlanken Spitzbogenfenster mit wohl er-haltenem, kräftig gebildetem Maafswerk aus gebranntem Thonesind 13 Fufc über dem Fufsboden geordnet und gewähren einereichliche Beleuchtung. Hierdurch wie durch die strenge schmuck-lose Behandlung erweckt das Innere der Kirche den Eindruck deswürdigsten Ernstes, welcher es doppelt bedauern läfst, dafs auchhier die ursprüngliche Färbung des natürlichen Materials derweifsen Tünche hat weichen müssen. Ueberdies lassen einge-baute Emporen die räumliche Wirkung der Seitenschiffe nichtzur Geltung kommen. Weniger beeinträchtigt erscheint dasAeufsere, welches, in der besten Technik ausgeführt, nirgendsdie Spuren von Beschädigung oder Verfall zeigt. Die gröfsteSparsamkeit in der Verwendung von Formsteinen wird auchhier sichtbar. Die nördlichen Fenster des Schiffes sind ohnealle Formsteine, nur mit abgeschrägten Leibungen hergestellt.Der einzige Schmuck derselben besteht in dem trefflichen strenggezeichneten Maafswerke (wiederum dem einzigen, welches inBrandenburg vollständig erhalten ist), sowie in den geputztenund mit Chablonen-Malerei bedeckten Leibungsflächen der Spitz-bogen. Nicht minder einfach sind die durchlaufenden Gurt-Plinthen und Haupt-Gesimse gezeichnet, Bl. XX, Fig. 7, sowiedas nördliche Hauptportal, welches über dem einfach geglieder-ten, auf kleinen gefältelten Kapitellen ruhenden Spitzbogen einekräftig gebildete, mit schlichten Krabben besetzte Wimperge zeigt.
Auch die beiden Giebel auf Ost- und West-Seite sind in einer einfachen, aber empfeh-lenswerth tüchtigen Structur hergestellt wor-den und haben sich unbeschädigt erhalten.Namentlich beweist der zwischen Schiff undChor belegene Ostgiebel, welcher in ganzerBreite und durchgeführter Gliederungim Dachboden sichtbar ist, dafs das Schiff anfänglich platt ge-schlossen war und der Chor als ein späterer Anbau hinzugefügtworden ist. Für diese Annahme spricht auch die bei gleicherEinfachheit der Ausstattung reifere Formenbildung dieses Bau-teiles. Namentlich sind die Fensterprofile desselben mit schonvorgeschrittener Häufung von Gliedern hierfür anzuführen.
Der in guten Verhältnissen erbaute Kreuzgang beweist durchseine einfachen Structur- und Künstformen, dafs er bald nachVollendung der Kirche und in Gemeinschaft mit dem Glocken-thurme aufgeführt worden ist. An beiden Bautheilen ist die
grofse Einfachheit auf Rechnung der gewollten Sparsamkeit zusetzen, welche sich deutlich an dem schlichten Maafswerke undden einfachen Kreuzgewölben des ersteren (Bl. XIX, Fig. 1), und
den schlanken Blendnischen, die den viereckigen Unterbau desletzteren umgeben, ausspricht. Der vorstehende Holzschnitt giebteine Vorstellung von der aus dem unmittelbaren Bedürfnisse her-vorgegangenen baulichen Gruppirung der Kirche, des Thurmesund des Kreuzganges nebst den Klostergebäuden.
Kunstwerke.
Als erhaltene Kunstwerke sind aufser einer in gebranntemThon hergestellten Bildsäule von St. Paulus, der Rest eines altenGlasgemäldes im Chor, (Scenen aus dem Leben St. Thomasvon Aquino darstellend), sowie ein trefflich in Holz geschnitz-ter und bemalter Todtenschild des Marschalls Hans v. Bredow•f* 1519, der leider an unwürdiger Stelle über dem Kreuzgangehängt, hier anzuführen.
Technisches.
Das Bauwerk zeigt zwar überall die beste Arbeit, doch sinddie achteckigen Schiffspfeiler, das Maafs- und Stab werk derFenster, besonders aber die Gewölbe hervorzuheben. Die Letz-teren gehören zu den vorzüglichsten derartigen Arbeiten,welche man überhaupt sehen kann, und die Betrachtung deroberen ungeputzten Flächen erweckt wegen der meisterhaft ge-nauen und gleichmäfsigen Structur eine wahre Freude. Auchdie Treppen, welche in ähnlicher Construction wie die Spindel-Treppe im Steinthorthurme ausgeführt sind, zeigen dieselbe ge-diegene Technik. Bemerkenswerth ist endlich die Thatsache,dafs die südliche Schiffsmauer der Strebepfeiler entbehrt, wo-durch wiederum eine sehr baldige Erbauung dieser Nordseitedes Kreuzganges angedeutet wird.
Das Format der Steine ist nicht constant, am westlichenGiebel beträgt die Länge lOf—11 Zoll, die Breite 5‘ — 5| Zollund die Stärke 3§—3| Zoll; am Ostgiebel zwischen Schiff undChor dagegen 11|—llf Zoll, die Breite 5§—5| Zoll und die
Stärke 3±—3§ Zoll.
Resultat.
Auf Grund der oben mitgetheilten historischen Zeugnissegehört der Bau des Schiffes und der Nordseite des Kreuzgangesnoch in das Ende des XIII. Jahrh., wahrscheinlich von 1287 — 92.
Der Chor ist etwas jünger, vielleicht 1311 —15 anzunehmenund der übrige Theil des Kreuzganges und der Thurm dieserBauthätigkeit anzuschliefsen. Für das Studium und Auffassungfrühgothischer strenger Formen ist St. Pauls-Kirche ebensogeeignet, wie die daran sichtbare zweckgemäfse Sparsamkeit derBerücksichtigung bei modernen Bauten empfohlen werden kann.