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in Folge mangelhafter Fundamentirung so gelitten, dafs die ausdem Lothe gewichenen und mehrfach geborstenen Mauern nurnoch mittelst kolossaler Strebepfeiler auf der Südseite gestütztwerden. Doch ist eine ursprünglich solide und gute Arbeit un-verkennbar, welche sogar an einzelnen Theilen, wie z. B. an demFlechtwerk über dein Hauptportal, zu seltener Meisterschaft sich
erhebt. Die Abdeckung des Strebepfei-lergesimses hat sich sehr gut erhaltenund dürfte ebenso sehr zu empfehlensein, wie die Beendigung der westlichenEckstrebepfeiler. Nicht minder ist diezweckmäfsige und sparsame Verwendungvon Formsteinen zu rühmen, wofür sichmehrfache Beispiele anführen lassen. Soist die Construction der beiden Fialendes Westgiebels einfach .und zweckmäfsighergestellt, indem die Profilsteine der Wanddienstediagonal zusammengesetzt und das hieraus aufge-mauerte Thürmchen mit schräg gestellten, einfachenKrabbensteinen bekrönt ist. Auch die Flachnischendes Westgiebels sind von dem Kämpfer der unter-sten Nische ab in anderen Profilen als die unterenEinfassungen, und zwar mittelst’eines kehlförmigenFormsteines hergestellt,. welcher. gleichzeitig alsConsolstein unter den gedoppelten Spitzbogen ver-wendet ist. Bl. XX, Fig. 1. Desgleichen sind diedarüber befindlichen Rosetten aus den schräg ge-stellten Formsteinen des Flechtwerks über demHauptportal zusammengesetzt, wie auch die Wand-dienste des Schiffes in den Ecken einfach diagonalgestellt sind, .um einen besonderen Formstein zuSphären. Das Maafswerk des Kreisfensters überdem Hauptportal ist neu, aber nach älteren Frag-menten (welche Büsching noch gesehen hat) erneuert und eininteressantes Beispiel eleganten frühgothischen Maafswerks. DasFormat der Backsteine ist an den älteren Westtheilen
10|—| Zoll lang, 4f—5 Zoll breit und 3j—3§ Zoll hoch,an dem Chore
10f Zoll lang, 5| Zoll breit und 3.*- Zoll hoch,an dem Seitenschiffe
lli Zoll lang, 5 Zoll breit und 3f Zoll hoch,so dafs hierin ein allmäliges Wachsen der Steinstärken sichtbar wird.
• Der Bau würde besser erhalten sein, wenn nicht die un-günstige Lage auf ehemals sumpfigem Terrain und sorglose Fun-damentirung schon frühzeitig zu ungleichmäfsigem Setzen desMauerwerks Veranlassung gegeben -hätte. Dennoch gewährt der-selbe ein anschauliches Bild einer mit bescheidenen Mitteln er-bauten Bettelmönchs-Kirche, welche bei aller Einfachheit ebensowenig der Würde in den Gesammtverhältnissen, wie einer ge-wissen Eleganz in den Kunstformen entbehrt.
Resultat.
Aus den in der Baubeschreibung specieller entwickeltenGründen gehören die älteren westlichen Theile des Schiffes denletzten Jahrzehnten des XIII. Jahrh., etwa dem Jahre 1280 an,während der Chor von 1415—20, das nördliche Seitenschiff von1430 und Thurm und Kreuzgang von 1440 anzunehmen sind.
XIV. Klosterkirche St. Paul in der Neustadt Brandenburg.
Historisches.'
Die St. Pauls-Kirche war ehemals die Klosterkirche derDominikaner-Mönche und ist als solche im Jahre 1286 gegrün-det worden. Dies besagt eine im Chore unter dem Relief-Por-trait des Kurfürsten Joachim II. befindliche deutsche Inschrift,welche, zwar erst im Jahre 1574 geschrieben, .doch den Texteines älteren Documents bewahrt. Der wesentliche Inhalt die-ser in schwülstiger Sprache verfafsten Inschrift ist folgender 1 ):
') Heffter, Brandenburg u. s. Alterth. S. 119 ff.
|| Markgraf Otto der Lange hat 1286 seinen in der NeustadtBrandenburg erbauten Hof den Dominikaner-Mönchen zu einemji Kloster geschenkt, ihnen auch viel Geldes zum Gebäu ver-j ordnet. Noch in demselben Jahre ist die erste papistischei Messe und Einweihung der Kirche durch Bischof Gebhard ge-halten und zu Patronen der Apostel Andreas und Maria Mag-dalena erwählt worden. Im Jahre 1311 hat der Rath der Neu-stadt einen städtischen Platz zu dieser Kirche geschenkt, damitdie Mönche ihre Wohnungen darauf erbauen möchten. Nach’ Einführung der Reformation hat die Kirche 25 Jahre öde ge-standen, bis Kurfürst Joachim II. 1560 Kloster und Kirche mitallen Gebäuden dem Rathe zur Wiedereinrichtung als Pfarrkir-che und Benutzung des Klosters als Pfründenhaus geschenkthat. Nach vollendeter Restauration ist 1561 Kirchweih gehal-ten und das Pfründenhaus 1565 seiner wohlthätigen Bestimmungübergeben worden.
Diese sichtbar auf älterer Ueberlieferung gegründete InschriftI enthält im Wesentlichen die Baugeschichta der Klosterkirche,
■ wobei indessen vor der directen Anwendung der mitgetheiltenji Daten insofern - zu warnen ist, als die vorhandene dreischiffigej! gewölbte Kirche nicht (wie die Inschrift besagt) in einem hal-j! ben Jahre erbaut sein kann. Man wird in diesem, wie in so! vielen anderen Fällen die ausgesprochene Einweihung nicht auf! die bestehende Kirche, sondern auf eine provisorisch hergestelltej kleine Kapelle beziehen müssen. Doch ist mit dem eigentlicheni Kirchenbau in diesem Falle, wo der Landesherr die Mönche voni vorn herein mit Geld bedeutend unterstützte, gewifs nicht langeli gezögert worden. Da nun in' der auf den Chorstühlen der Do-!| minikaner-Klosterkirche zu Röbel in Mecklenburg befindlichen; Inschrift das Jahr 1292 als Stiftungsjahr des Klosters zu Bran-denburg'angegeben ist 1 ), so darf man dies Jahr wahrscheinlichi als das der Vollendung und Einweihung des Kirchenbaues an-nehmen.
Auch müssen die Mönche bei dem Rathe der Neustadt| ebenso beliebt gewesen sein, wie bei den Landesherren, denn| schon im Jahre 1306 ertheilt der erstere den Mönchen daswichtige Recht, auf ihrem Grunde und Boden Häuser aufzufüh-' ren 2 ). Diese Freigebigkeit des Rathes ist*1311 wiederholt wor-;! den, wo die Mönche 3 ) einen Platz von der gemeinen Stadt zur|I Klosterkirche erhalten, wodurch, wie Fincke richtig bemerktund was weiter unten erwiesen wird, eine Erweiterung der Kir-I che ermöglicht wurde.
i Im Jahre 1381 verbriefen die Mönche der Neustädter Lieb-| frauen-Gilde einen Altar, ihre Brüderschaft und Todtenfeier der| Verstorbenen in der Klosterkirche' 1 ). Ferner versprechen die-j selben 1494, gewisse Messen für Hans Bardeleben und seinej Frau lesen zu wollen, weil gedachtes Ehepaar ihnen 15 Rhein.iJ Gulden verehrt hatte, um damit nothwendige Bau-Reparaturen
auszuführen 5 ). — In einer Urkunde vom Jahre 1533, worineine Besitzung in Treuenbrietzen veräufsert wird, nennt sichdie Brüderschaft des Klosters „Sante Pauels Preddiger-Ordensin der Nienstädt Brandenburg“, woraus die Thatsäche hervor-geht, dafs zu den ursprünglichen Patronen Andreas und MariaMagdalena ein dritter hinzugetreten und Titularheiliger gewor-den war 6 ). Wahrscheinlich hat diese Veränderung der ursprüng-!i liehen Bezeichnung bei der Einweihung des an die Kirche spä-|j ter angebauten Chores stattgefunden 7 ). Die übrigen Schicksale
ii der Kirche enthält die Eingangs mitgetheilte Inschrift und esj| ist daher schliefslich nur zu bemerken, dafs neben dem Klosterj seit ältester Zeit (schon 1303) eine wohlthätige Stiftung St. Spi-
j *) Lisch. Mecklenburg. Jahrb. VII. 112.
J ) Riedel a. a. O. IX. 7.
3 ) Fincke a. a. O. 422.
1 *) Riedel a. a. O. IX. 61. Wahrscheinlich ist hierin nur das Faktum enthalten, dafs
j. der Liebenfrauengilde während des Neubaues der St. Katharinen-Kirche verstattet wurde,
: ihren Altar nach der Kloster - Kirche zu verlegen und an demselben ihren gewohnten Got-
jj tesdienst zu halten.
!j s ) Riedel a. a. O. IX. 246.
j •) Hieraus widerlegt sich Heffter’s Annahme a. a. O. 117, welcher die Bezeichnung
ji St. Paul’s-Kirche erst der Zeit nach Einführung der Reformation zuschreibt.
|j 7 ) St. Paulus war Schutzpatron der ganzen Dominikaner - Provinz Sachsen, weshalb
J| demselben viele Kirchen dieses Ordens im nördlichen Deutschland geweiht waren.
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