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hochbusigen Kreuzgewölbe, deren Rippen und Quergurte glei-ches Profil besitzen, werden von trefflich profilirten Gurtbogen(Fig. 9) getragen und die Letzteren ruhen auf Rundpfeilern, wel-che an 4 Seiten mit zierlichen Diensten besetzt sind. (Fig. 7 u. 8.)Zwei der Dienste an jedem Pfeiler sind glatt, die beiden ande-ren aber in der Form gewundener Taue characterisirt und allemit fein gezeichneten Laubkapitellen und zierlichen Basen durch-gebildet, Fig. 1. An den Seitenwänden und im Chore, auch anzwei Pfeilern, ruhen die Dienste auf Blattconsolen, Fig. 8 u. 4,von denen namentlich die Consolen im Chore einen' strengerenfrühgothischen Character zeigen. Das Innere der Kirche war ur-sprünglich ungeputzt, wie das unter der weifsen Farbe und schwa-chen Tünche hindurchschimmernde scharf gefugte Mauer-werk beweist. Die veränderte- Färbung des Innern mufs baldnach Einführung der Reformation erfolgt sein, weil ein im Chore'hängendes Gemälde wiederum mit. der Jahreszahl 1586 und
dem Meisterzfdchen 86. TE eine innere Perspective von St.Godehard zeigt, in der Pfeiler, Wände und Gewölbe weifs, dieRippen und Dienste dunkelblau gefärbt erscheinen '). Grofsegut profilirte Spitzbogenfenster mit sehr schlichtem Stabwerkerleuchten die Kirche, welche durch die einheitliche Plancon-ception und die trefflichen Verhältnisse einen sehr würdigen^feierlichen Eindruck macht, so dafs keine andere Kirche in Bran-denburg in- diesem Sinne mit ihr verglichen werden kann.' Ebenso einheitlich, einfach und streng wie das Innere sind die Fa-nden, besonders am Chore und auf der Nordseite hergestellt.Das Hauptgesims mit einem geputzten und chablonirt bemaltenFriese ist nicht mehr das Ursprüngliche, dagegen an den Unter-mauern auf der Nordostseite dasselbe schwarze Ziegelmauer-werk sichtbar, welches die Chormauern des Domes besitzen,Bl. VII, Fig. 1. Auch ist die sorgfältige Technik an allen Stre-bepfeilern und Fenstergewänden,, besonders die Fügenarbeit mitder Technik des gothischen Dom-Umbaues so überraschend ähn-lich, dafs man den Einflufs desselben Werkmeisters zu erken-nen glaubt. Indessen zeigen die sämmtlichen Kunstformen vonSt. Godehard eine reichere Profilirung und einen vorgeschritte-neren Character, als die entsprechenden des Domes. Man mufs •deshalb diesen ganzen einheitlichen und sehr vortrefflichen Bauvon St. Godehard in die erste Hälfte des XIV. Jahrh. setzen,aber die völlige Beendigung desselben noch etwas später an-nehmen. So z. B.‘ zeigt das Profil einesNordfensters, Fig. 4, sowie das reich undtrefflich durchgeführte Südwestportal, des-sen Profil der Holzschnitt giebt' * 2 ), einenicht mehr so strenge und einfache Bil-dung wie die älteren Bautheile, z. B. dieFenster des Chores und der Südseite. Fig. 6.
In noch späterer Zeit sind Erweiterungen vorgenommenworden, welche die einfach strenge Bildung.der äufseren Para-den wesentlich beeinträchtigt haben. Am Chore unterhalb derFenster sind zwischen den Strebepfeilern kleine Kapellen aus-gebaut worden, welche mit Kreuzgewölben bedeckt und mittelstkleiner, tlieils spitz-, theils fiachbogiger Fenster erleuchtet wer-den. Dasselbe ist an zwei Seiten des nördlichenSeitenschiffes geschehen. Diese sämmtlichen Ka-pellen zeigen in ihren Kunstformen z. B. in -derPlinthe einen spätgothischen Character und in derStructur eine mittelmäfsige Technik. Interessan-ter und im Maafsstabe grofsartiger sind die aufser-dem hinzugefügten vier Kapellen, von welcheneine auf der Nord- und drei auf der Südseite belegen sind.
Von den drei südlichen Kapellen ist die mittelste diejenige,an welcher die unter dem Abschnitt „Historisches“ angeführte
‘) Merkwürdigerweise waren, wie ebenfalls das Bild beweist, in jener Zeit noch die sechsInnern Chorpfeiler in Kämpferhöhe mittelst hölzerner Balken mit einander verbunden. Dieeisernen Oesen, in welchen • diese Spannbalken ruhten, sind poch jetzt über den Pfeilerka-pitellen erhalten.
’) Dieses Portal ist genau ebenso gegliedert, wie das Portal des Altstädter Rathhau-ses, Bl. X, Fig. 4, weshalb auf eine gleiche Bauzeit geschlossen werden kann.
Inschrift aus dem Jahre 1456 befindlich gewesen ist. Dieselbezeigt die auffallende Eigenthümlichkeit, dafs sie, um möglichstviel Raum zu gewinnen, mit Verschiebung der Pfeileraxen nachWesten weiter hinausgebaut ist als nach Osten. Ihre Decke bil-det eines der reichsten und complicirtesten Sterngewölbe (Grund-rifs Fig. 10 und Querschnitt Fig. 2), aber darin, sowie in den ver-wendeten nüchternen Kunstformen an Thür und Fenstern zeigtsich eine sehr handwerksmäfsige Behandlung, welche durchausder inschriftlich gesicherten Bauzeit entspricht. Aus der ver-schobenen Stellung des Kapellenraumes, sowie aus der That-sache, dafs die östliche Wand desselben, Fa<?adenreste (Plintheund Fenster) zeigt, ist man zu dem Schlüsse berechtigt, dafsdie östlich belegene Kapelle früher erbaut sein mufs, aber we-gen einer ähnlichen Behandlung nicht sehr viel älter sein kann.Da nun die östliche Kapelle zweigeschossig war, auch das obereGeschofs mittelst eines grofsen Spitzbogens sich nach dem Schiffeder Kirche hin öffnete, und diese Einrichtung allen. Liebfrauen-kapellen des späteren Mittelalters in der Mark Q eigen zu seinpflegt, so darf man diesen Raum für die 1428 vom Rathe derNeustadt erbaute Kapelle u. 1. Frauen annehmen. Mit dersel-ben hängt die Nordkapelle im Material und in den Kunstformenwiederum so eng zusammen, dafs sie ebenfalls in gleiche Zeit zusetzen ist. Nun hat wirklich der Rath der Neustadt in demselbenJahre einen Altar des Körpers Christi gestiftet, dotirt und vomBischof Stephan bestätigen lassen' 2 ), so dafs diese Nordkapelle mitgröfster Wahrscheinlichkeit als Frohnleichnamskapelle der Altstadtzu bezeichnen ist. Dazu kommt, dafs die vom Lübecker Kanoni-cus Matthäus Prenne erbaute Kapelle des heiligen Kreuzes, inderen oberem Geschofs .ausdrücklich eine Liberei (Bücherei) ge-nannt wird 3 ), kein anderer Raum sein kann, als die südwestlicheKapelle, welche ursprünglich (wie die Fa^adenfenster beweisen)zweigeschossig war und deren oberes Geschofs mittelst einer be-sonderen Thür und Treppe von aufsen her benutzt werden konnte.
Aus dieser Darlegung tritt aber das interessante Faktumzu Tage, dafs die Altstadt gegen die prächtig und reich gebautePfarrkirche St. Katharina mit ihren Kapellen nicht länger zurück-stehen wollte und mit bescheideneren Mitteln, aber in gleichemSinne ihre Pfarrkirche St. Godehard zu erweitern und auszu-statten suchte. — Wenn eine solche wohl verzeihliche Rivalisi-rung zu neuen Bauunternehmungen trieb, so war doch derlebendig schöpferische Sinn eines Künstlers wie der des Mei-' sters Heinrich Brunsberg in Brandenburg nicht mehr vorhanden.Die sämmtlichen so eben angeführten Kapellen zeigen durchauseine handwerksmäfsig sichere, aber künstlerisch gesunkene Be-handlung aller Struktur- wie Kunstformen. Und zwar genauder Zeitfolge entsprechend, so dafs die östlichste Südkapelle und
die der Nordseite den besserenstrengeren Charakter, die beidenanderen die nüchterne spätgothi-sche Behandlungsweise deutlicherkennen lassen. Allen gemein-schaftlich ist die Anordnung lisse^neuartiger Wandvorlagen an Stellewirklicher Strebepfeiler, sowie diegehäufte Anwendung von Putz-flächen und Streifen, welche un-terhalb aller Gesimse auftretenund, chablonenartig bemalt, die
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Maafs- und Flechtwerks erzeugensollten. Die häufige Anwendungflachbogig geschlossener und ge-kuppelter Fenster (ähnlich denunteren Chorfenstern von St. Jo-hann) ist gleichfalls für diese Bau-
theile und ihre späte Bauzeit charakteristisch.
') Z. B. Berlin und Cöln, Königsberg i. d. N, Frankfurt a. d. O., Stettin u. a.
s ) Riedel, VIII, 400 — 401.
3 ) Riedel, VIII, 437.