25
der genannten Kapelle wurde schon 1460—1470 eine anderezu Ehren des heiligen Kreuzes in zwei Geschossen (mit einerBücherei darüber) auf Kosten eines Lübecker Kanonicus Mat-thaeus Prenne erbaut und 1474 vom Bischof Arnold v. Burgs-dorf bestätigt 1 ).
Damit war aber im Wesentlichen an dieser Kirche die stif-tende und bauende Thätigkeit zu Ende. Bei der Uebergabedes Gotteshauses an die evangelischen Visitatoren erfahren wir,dafs 18 Altäre vorhanden waren und 4 geistliche Brüderschaf-ten an derselben bestanden 2 ).
Eine am Schlüsse des XVI. Jahrh. ausgeführte Reparaturam Thurme abgerechnet, welche die ursprüngliche Spitze ver-änderte und abgesehen von der Uebertünchung des Innern, istSt. Godehard’s Pfarrkirche noch sehr wohl erhalten.
Baubeschreibung.
Wie der Grundrifs, Bl. XVIII. Fig. 10, durch die verschie-dene Schraffirung andeutet, verdankt diese mäfsig grofse, abersehr interessante Pfarrkirche drei verschiedenen Bauepochen imWesentlichen ihre jetzige Gestalt. Die Westfa^ade ist in Granit-mauerwerk hergestellt und war ursprünglich mit zwei Thürmenbeendigt oder auf einen Bau mit zwei Thürmen beabsichtigt. Diesergiebt sich durch die von unten auf angelegten Vorsprünge derWestmauer, sowie aus der bedeutenden Mauerstärke der Nord-und Südmauer (mit 7 und 8.} Fufs), die, falls nur ein Thurm inder Mitte errichtet werden sollte, überflüssig stark gewesen wären.
Ebenso würde der grofse, 16 Fufs weit gespannte Bogen,welcher sich nach dem Schiffe zu öffnet, bedeutend eingeschränktworden sein, wenn ein hoch hinaufsteigender Thurm darüberhätte aufgeführt werden sollen. Allerdings ist jetzt nur ein Mit-telthurm vorhanden, welcher über die beiden Seiten des mitSatteldächern abgedeckten westlichen Querhauses emporsteigt,aber die an ihm befindlichen kolossalen Verzahnungen in Gra-nitmauerwei’k beweisen, dafs diese südlichen und nördlichenTheile des Querhauses ursprünglich viel höher hinaufreichten,dann abgebrochen und erst später mit Backstein-Giebeln ge-schlossen und mit Dächern abgedeckt wurden. Dieser Granit-
bau ist nun einerseits in der besten Technik, welche man sehenkann, ausgeführt 3 ), andrerseits in seltener Weise mit romani-schen Kunstformen ausgestattet, so dafs eine kurze Besprechungtrotzdem das Material nicht Backstein ist, verstattet werdenmag. Die sämmtlichen Mauern mit Ausschlufs der zwischenden Thürmen liegenden Mittelwand, sind einfach aus kleinen,rechtwinklig behauenen Granitstücken emporgemauert und mit-telst eines abgeschrägten Gurtgesimses horizontal getheilt. Abersie zeigen neben der soliden Structur, welche die Ecken mitkräftigen Bindern sichert und hie und da ganze Binderschichten
') Riedel, VIII, 437.
2 ) Riedel, XI, 281 ff.
') Diese Technik übertrifft die oft gerühmten Granitbauten der Kirchen zu Tempel-hof, Marienfelde, Pritzwalk und Burg bei Weitem und mufs zu dem Ausgezeichnetsten ge-rechnet werden, was von Granitbau erhalten ist.
durchlegt, auch die seltene Erscheinung, dafs eine aus gleichgrofsen behauenen Stücken hochkantig gestellte Rollschicht durch-geführt ist. Diese mühsam hergestellte Arbeit, welche keinenconstructiven Zweck hat, mufs jedenfalls als ein erstrebter künst-lerischer Schmuck betrachtet werden. Dazu kommt, dafs .die! mittlere Wand der Westfronte ein grofses romanisches Westpor-tal in einer Blendnische, weiter oben eine kolossale kreisför-mige Blendnische zeigt. Die Pfeiler und Halbkreisbogen desJ; Portals sind aus grofsen Granitstücken gehauen (einzelne Bo-gensteine in Längen von 3—4 Fufs) und mit abgerundeten Kan-ten versehen. Selbst Würfelkapitelle und Basen in der einfach-sten, schwersten Weise sind in dem ungefügen Materiale herge-stellt worden. Ursprünglich war dieses Portal offen und führtein eine grofse, jetzt mit einem Kreuzgewölbe überdeckte Vor-halle. Die beiden daran stofsenden Nebenräume sind ebenfallsmit höchst seltenen, elliptisch überhöhten Tonnengewölben inGranitmauerwerk überwölbt, so dafs auch hierin ein hochalter( Bau unzweifelhaft erkannt werden mufs. Die über diesen Ne-jj benräumen und der Vorhalle belegenen correspondirenden Räume!j sind bereits mit Backsteingewölben (2 Kappen- und ein Kreuz-i gewölbe) bedeckt und zeigen nichts Bemerkenswerthes, als dafsder südliche eine alte Heiz-Einrichtung bewahrt. Dagegen istder mittelste, noch um ein Stockwerk höher belegene Raum! nach Osten hin mit einer (später in Backsteinen überwölbten)Nische versehen, in welcher ein Altar steht, so dafs er als einKapellenraum aufzufassen ist. Aus dieser Kapelle führen breiteGurtbogen, deren Sclilufs in späterer Zeit mit Backsteinen her-gestellt worden ist, in die Räume unter dem Dache, wo dergeschehene Abbruch der früheren Thurmstockwerke in einerHöhe von über 25 Fufs noch sichtbar ist. Der weiter empor-steigende Mittelthurm ist in Backsteinen erbaut und zeigt untenältere Detailreste, namentlich einfache Sägefriesschichten, welchevon später eingesetzten gothischen Fenstern zum grofsen Theile|| zerstört sind. Die oberste Spitze verdankt ihre abgeschmacktell Form sogenannten Renovationen späterer Jahrhunderte.
Die Westfront von St. Godehard mufs wegen der hochal-terthümlichen Structur und der verhältnifsmäfsig sehr reichenAusstattung von Kunstformen, sowie wegen der beabsichtigtenzweithürmigen Anlage (was in ältester Zeit nur Stifts- oder Ka-thedral-Kirchen erlaubt ist und welche Anlage der Dom St. Pe-ter und Paul wiederholt) in das XII. Jahrh. gesetzt werden. Er-wägt man nun, dafs die Kirche St. Nicolaus in ihren älterenTheilen jedenfalls schon 1173 vorhanden war und eine sehrzweckmäfsige Verwendung des Backstein - Materials zeigt, sowird man zugeben müssen, dafs nach dieser Zeit wünschens-werthe oder nothwendige Kunstformen leichter, besser undbilliger in diesem Materiale und nicht in Granit hergestellt seinwürden. Da nun gleich nach der Wiedereroberung Branden-burgs durch Albrecht den Bären die Verlegung des in Leitz-kau vorläufig eingerichteten Domkapitels nach Parduin erstrebtj und 1161 wirklich ausgeführt wird, so mufs man die Westfront| von St. Godehard als einen Rest des Baues von 1158—1161betrachten. Dies wird um so wahrscheinlicher, als in der Um-gegend von Leitzkau, welches 1114 gegründet und 1155 ge-weiht worden ist, überall Granitbau in schweren, massigen For-men auftritt. Unzweifelhaft wurde die bekannte und geübte Bau-weise in Granit von den Klerikern nach Parduin übertragen unddie von Pribislav gegründete, wahrscheinlich 1156 wieder zer-| störte St. Godehard’s-Kirche von Neuem mit grofsem Aufwandeund in der vollendetsten Technik erbaut. Wie der Schiffs- undChorbau dieser ältesten Kathedrale in Brandenburg gestaltet ge-wesen, ist unbekannt, und kann nur vermuthet werden, dennan seine Stelle trat mit Benutzung der alten Fundamente *) inder ersten Hälfte des XIV. Jahrh. der jetzige Backsteinbau.
Derselbe zeigt eine dreischiffige Hallenkirche mit etwas über-höhtem Mittelschiffe, halbachteckig geschlossenem Chore undherumgeführten Seitenschiffen. Bl. XVIII, Fig. 2 und 10. Die
') Dies geht aus der sehr geringen Spannungsweite des Mittelschiffes von 24 Fufshervor.
7