Bibliothek u. Piankamrner
Hochbauami u. •Staä'erv.ailerunoaamt
der Stadt Düsseldoit
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• Den besten Eindruck und wiederum den älteren Charakterfesthaltend, macht die leider sehr veränderte Fa^ade der Nord-kapelle.. Zwei daselbst neben dem Portal vorhandenen Spitz-bogenblenden (vergl. den Holzschnitt) geben diesen Typus, wel-cher mit den Rosetten des südlichen Seitenschiffs am Dome vonca. 1385 und den nachträglich eingesetzten Maafswerks-Füllun-gen än dem Altstädter Rathhause nahe zusammenhängt
Kunstwerke.
Der jetzige'Flügel-Hochaltar ist vom Jahre 1561 und hatdas Meisterzeichen C.H.E., worin wahrscheinlich der Vater des
Meisters 8 6. TE . zu erkennen ist. — Ungleich wichtiger istdas auf Bl. XX, Fig. 10 abgebildete bronzene Taufbecken. Das-selbe zeigt ebenso glückliche Gesammtverhältnisse wie edel undstreng gezeichnete Profile und Details romanischer Bildung. Dieobere Schaale ruht auf vier alterthümlich streng gebildeten Fi-guren (wahrscheinlich Evangelisten), welche hinten hohl gegos-sen und ‘dem Kerngusse des Beckens später angefügt wordensind. Zwischen den langgewandeten Figuren sind oberhalb vierherabgeneigte Löwenköpfe in demselben alterthümlichen Charak-ter wie an einer Sima angebracht. Die oben um den Rand lau-fende Inschrift in schönen, noch rundlichen Majuskelbuchstabenlautet: Abluo peccata, do coeli gaudia grata. Eine andere zwi-schen den Figuren -befindliche räthselhafte Inschrift heifst:
Obiü Elyzabeth. X ». /. R. E. Scptembris.
Ebenso finden sich am Fufse ein Paar drachenartig ver-schlungene Arabesken räthselhafter Bedeutung. Das ganze treff-lich erhaltene Kunstwerk kann des Charakters der Schrift, derFiguren und der Kunstformen halber nicht später als. in dieMitte des XIII. Jahrh. gesetzt werden und ist somit eins derehrwürdigsten und schönsten kirchlichen Monumente in denMarken ').
Technisches.»
Die älteren Theile der Kirche zeigen überall, besonders anden Einfassungen der Fenster, an den Bogen und Gewölben einesehr gute und tüchtige Arbeit, welche gegen die der späterenKapellenbauten auffallend absticht. An den ersteren beträgt dasBacksteinformat 11 Zoll, 5{ Zoll und 3j Zoll; an .den letzteren11 Zoll, 5§ Zoll und 3| Zoll. — Dagegen zeigen die späteren An-bauten eine gröfsere Kühnheit und Sicherheit in der Construc-tion. Beispielsweise stützt sich das hochbusige Sterngewölbe inder südwestlichen Kapelle, bei einer lichten Spannung von 19 Fufsgegen einen Pfeiler von 2 Fufs 4 Zoll Stärke und 1 Fufs 7 ZollBreite, ‘wobei allerdings bemerkt werden mufs, dafs die Ober-mauer des Seitenschiffs durch ihre Belastung dem Schube desGewölbes entgegenwirkt. Ebenso kühn und complicirt ist dasdaneben belegene Sterngewölbe, 'dessen Rippen Tangenten zufünf grofsen Ringen bilden, welche statt der Schlufssteine an-geordnet sind. Nicht ohne Interesse sind die an dem Südwestpor-
tale vorkommenden eingemeifselten Steinmetzzeichen. 7VE-
Resultat.
Auf Grund der ' mitgetheilten Untersuchungen gehört diePfarrkirche St. Godehard, namentlich in kunsthistorischer Bezie-hung zu den interessantesten Bauwerken der Mark. Die West-front reicht fast bis zu der letzten heidnischen Epoche hinaufund mufs auf 1158 — 64, der Hauptkörper des Schiffs auf 1334bis 48, und die Kapellen zwischen 1428 — 70 gestellt werden.
XIII. Kloster-Kirche St. Johannes in der Neustadt Brandenburg. !
Historisches.
. Das Kloster der Franziskaner-Mönche, zu welchem dieseKirche gehört, Ist ursprünglich in Ziesar, dem Residenzorte derBischöfe von Brandenburg, von einem daselbst lebenden und
’) DAs bronzene Taufbecken der St. Nicolaus - Kirche zu Spandow besitzt ebenfallsvier hochalterthümliche Figuren von gleichem Tjpus, aber dies sind nur Fragmente einesälteren Monuments, denn das obere Taufbecken ist von 1498.
: • 1226 ') zuerst erwähnten Magister Helias vor dem Jahre 1237gestiftet und später, ungewifs in welöhem Jahre, nach Branden^bürg verlegt worden. Dies ergiebt sich aus einer durch Gar-caeus 2 ) überlieferten Inschrift, welche früher im Chore der St.Johannes-Kirche zur linken Hand befindlich gewesen ist undwörtlich lautete:
A. D. MCCXXXVII obiit Magister Helias plebanns in Zie-sar, qui domum fratrum ibidem fundatit et consummavitpropter alia innumera beneßcia, qvae fratribus praestitis,videlicet totam bibliam glossatam, scholasticam, histöriam,sententias et summarn Remundi, hie habitu fratrum indutusfuit prout desideravit et in ecclesia fratrum ante altareS. Joannis Baptistae est sepultus et tandem ossa ipsius inrecessu• fratrum in Brandenborg vetus sunt deducta et ho-neste■ sepulta 3 ).
Da das Jahr der Verlegung des Klosters nicht angegebenist, so mufg man dasselbe annähernd aus der Zeit der erstenErscheinung und Verbreitung des Franziskaner-Ordens in den" Marken zu ermitteln suchen. Leider fehlen aber gesicherte Ur-kunden für eine solche Untersuchung, da der Orden, dessenHauptthätigkeit die Predigt und praktische Seelsorge war, aufAbfassung oder Erhaltung von historischen Zeugnissen wenigWerth gelegt hat. Aus dürftigen chronikalischen Nachrichtenergiebt sich, dafs die Franziskaner 1223 in Prenzlow, 1225 inBautzen, 1234 in Görlitz, 1237 in Ziesar, 1246 in Berlin, 1250in Crossen, 1254 in Seehäusen, 1260 in Stendal und 1270 inFrankfurt a. d. O. und Gransee erscheinen. Da ferner die aufAnsehen und Einflufs der Franziskaner stets eifersüchtigen undin der Ausbreitung ihres eigenen Ordens immer Schritt haltendenDominikaner im Jahre 1286 auf der Neustadt Kloster und Kirchebauen, und die Altstadt Brandenburg im XIII. Jahrh. die rei-chere und mächtigere der beiden Städte ist, so ist man zu demSchlüsse berechtigt, dafs die Franziskaner-Mönche bereits damalsin 'der Altstadt angesiedelt‘waren und daher um 1250 die Ver-legung ihres Klosters von Ziesar nach Brandenburg bewerkstel-ligt haben. Der Bau der Kirche wird dann spätestens nach eini-gen Jahrzehnten hergestellt worden sein, doch ist weder überdie Weihung desselben noch über die Stiftung von Altären irgendeine Nachricht vorhanden. Erst aus dem XV. Jahrh. sind wiederdurch Garcaeus a. a. O. S. 347 zwei wichtige Inschriften über-liefert, welche sich auf die Einwölbung der Kirche und Weihungdes daran stofsenden Kreuzganges beziehen. Die ältere derselben,welche an der Abendseite der Kirche auf dem oberen Bretter-boden geschrieben steht, lautet:
Istud aedißcium hujus ecclesiae testudinis sub tempore Jo-hannis Guardiani completnm est. A. D. MCCCCXX in dieS. Aegidii, abbatis etc.
Die- andere befand sich an der Wand des jetzt abgebroche-nen Kreuzganges:
A. MCCCCXL reverendus pater ac dominus , dom. Stephanus,episcopus Brandeburgensis, hunc ambitum consecramt et de-dit omnibus fratribus rere poenitentibus, ipsum circumeun-tibus cum VII Psalmis vel mgiliis quotiens totiens XL diesindulgentiarum 4 ).
Die sonst noch vorhandenen Urkunden 5 ) ergeben keine fürdie Baugeschichte der Kirche brauchbare Nachricht. Die Refor-
’) Riedel a. a. O. A*. VIII. 141.
2 ) Garcaeus a. a. O. S. 346.
3 ) Der 1206 gestiftete und 1223 vom Papste bestätigte Franziskaner-Orden verdankt
seine aufserordentliche Verbreitung den besonderen Privilegien, welche ihm zu Theil wurden.Zu denselben gehörten: Die öffentliche Predigt an jedem beliebigen Orte, die Einweihungvon Kirchen und Kirchhöfen, das unbedingte Recht, auch während des InterdictsMesse zu lesen. Aufser diesen wichtigen Vorrechten besafs der Orden die ausgedehntestenAblässe, so dafs z. B., wer eine Franziskaner-Kirche auch nur an einem Feste besuchte,für 100 Tage Ablafs erhielt. Wer einen Franziskaner unterstützte, empfing desgleichen180 Tage; wer sich auf einem Franziskaner-Kirchhofe begraben liefs, für 40 Jahre, undwenn es in einem Franziskaner-Kleide geschah, Ablafs aller Sünden. Vergl. Klöden.Marien-Verehrung in den Marken. S. 45 ff.. .
4 ) Beide Inschriften bezieht Garcaeus auf die Dominikaner-Kirche St."Paul, aber
dies ist ein Irrthum, den schon Fincke, Progr. v. 1751, S. 3, nicht mehr beging und derdurch die Thatsache widerlegt wird, dafs die erste Inschrift noch jetzt an der inneren Seitedes Westgiebels von St. Johannes, wenn auch etwas verlöscht, vorhanden ist. ’ ‘
s ) Riedel a. a. O. VIII, 192, 194, IX, 82, 229, 242 etc.