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Stiftung dem Vorgänger der Anhaltiner, das ist Pribislav, zu-zuweisen *).
Zweitens läfst sich an die historisch gesicherte Nachricht,dafs Pribislav 1136 zuin Christenthuine öffentlich übergetretenist, die nothwendige Folgerung anreihen, dafs der Bekehrungs-eifer der Geistlichkeit ihn sicherlich sofort veranlafst haben wird,für die Missionsthätigkeit derselben ein Gotteshaus zu erbauen 2 ).Kein Ort erschien aber hierfür geeigneter, als der seit ältesterZeit vorhandene, zwischen der Burg und dem heiligen Kultus-Platze, dem Harlunger-Berge. belegene Ort Parduin. Von hieraus konnte der auf dem Berge im ehemaligen Triglaffs-Tempelsiegreich eingeführte christliche Gottesdienst zweckmäfsig ge-pflegt und besorgt werden, wie andrerseits Parduin an der Ha-velburg des wendischen Fürsten einen gegen Angriffe gesicher-ten Stützpunkt oder schlimmsten Falles einen Zufluchtsort be-safs. Endlich kann aber zu Gunsten der obigen Annahme dieThatsache hervorgehoben werden, dafs gerade in die Zeit derBekehrung des Pribislav die Stiftung und Gründung mehrererKirchen und Kapellen, welche dem 1131 kanonisirten BischofGodehard von Hildesheim geweiht wurden, fällt 3 ). Da nun einerder wärmsten Fürsprecher für die Heiligsprechung des Godehardauf dem Concile zu Rheims der auf geistlichem Gebiete rastlosthätige Erzbischof Norbert von Magdeburg war, so läfst sichauch sein Einflufs auf die Stiftung von St. Godehard um so ehervermuthen, als die Missionsthätigkeit in den slavischen Ländernin ihm und seinem Kapitel einen der stärksten Stützpunktebesafs.
Aus diesen Gründen darf daher Pribislav als Stifter vonSt. Godehard bezeichnet und die von ihm bewirkte Stiftung viel-leicht auf 1138 (gerade 100 Jahre nach dem Tode des BischofsGodehard) gestellt werden. Die Besetzung der Geistlichen er-folgte fortan von dem 1138 mit Prämonstratensern neu organi-sirten Domkapitel zu Leitzkau aus; ja es ist wahrscheinlich, dafsschon bald nach dem Tode Pribislav’s von Seiten des Bischofsder Versuch gemacht worden ist, den Sitz des Kapitels an seineursprüngliche Stelle nach Brandenburg zu verlegen. Aber dienoch immer höchst unsicheren Zustände des Landes, namentlichdie plötzliche siegreiche Besetzung Brandenburgs 1156 von Sei-ten des, dem Heidenthum ergeben gebliebenen Herrschers Jaczovon Cöpenick 4 ), haben diese Bestrebungen sehr verzögert. Ob-gleich A!brecht der Bär ein Jahr später nach blutigem KampfeBrandenburg wieder eroberte und den Jaczo vertrieb, so wardoch die Pfärr-Kirche St. Godehard bei der heidnischen Besitz-ergreifung zerstört worden und ein Neubau nöthig. Diese Ge-legenheit benutzte ohne Zweifel der Bischof Wiger, seinen längstgehegten Wunsch, das Kapitel wieder nach Brandenburg zu ver-legen, zur Ausführung zu bringen, aber er starb schon mittenin den Vorbereitungen 1160, und erst seinem Nachfolger Wilmarwar es beschieden, dieses Vorhaben wirklich zu vollenden. ImJahre 1161 wurde das Kapitel von Leitzkau feierlich nach Par-duin verlegt und demselben die St. Godehards-Kirche als Stifts-Kirche überwiesen 5 ). Aber wie schon oben S. 3 und S. 10 her-vorgehoben ist, richtete sich Bischof Wilmar’s Bestreben sehrbald darauf, die ursprüngliche Stiftungsstätte des Bisthums, denDom St. Peter als altehrwürdigen, mit Märtyrerblut getränktenKultusort dem Domkapitel zu überweisen. Sein Wunsch ging(wie oben S. 10 nachgewiesen) schon 1166 in Erfüllung undSt. Godehard sank wieder von dem Namen und der Bedeutungeiner Stiftskirche zu der einer gewöhnlichen Pfarrkirche herab.Es wurde schon 1166 von dem Bischöfe dem Kapitel vereignet,diese Schenkung auch mehrfach bestätigt 6 ). Demnach geht aus
*) Vergl. Riedel d. Mark Brandenburg I, 338. Anmerk. 1.
2 ) Wenigstens wird schon 1137 ein Erzpriester Odalrich zu Brandenburg erwähnt.Raumer Reg. No. 892.
3 ) St. Godehards-Kirche zu Hildesheim 1133 — 78; St. Godehards-Kapelle am Domezu Mainz 1135 — 38; St. Godehards-Kapelle an der Abtei Neustift bei Preising 1140, desgl.zu Merseburg, Nieder-Alteich, Gotha u. a. O.
4 ) Wahrscheinlich eines Netten des Pribislav. Riedel, d. Mark Brandenburg I, 314.
d ) Vergl. Uber diese Verhältnisse die Urkunden bei Riedel, A. VIII, 104 und 107,
und VII, 4ö9.
6 ) Riedel, A. VIII, 107. 109. 111. 112. 114 u. f.
den urkundlich gesicherten Zeugnissen mit Sicherheit hervor,dafs bald nach 1157 die Restauration des zerstörten Heiligthumsbegonnen und 1161 soweit gefördert worden war, dafs die Kle-riker darin Gottesdienst halten konnten. Da nun aber 1165bereits eine abermalige Transferirung des Kapitels in Aussichtstand, so mufs der zweite Bau von St. Godehard, der in derAbsicht geschah, ihn als Kathedralkirche dem Kapitel zu über-geben, in den Jahren 1158 — 64 erfolgt sein.
Das Bauwerk blieb über anderthalb Jahrhunderte als Pfarr-kirche erhalten, während welcher Zeit das Dorf Parduin all-mälig zu einer Stadt ‘) erwuchs. Das Ansehen der Stadt, dievermehrte Einwohnerzahl, der gestiegene Reichtlmm des Kapi-tels scheinen darauf im Anfänge des XIV. Jahrh. den Wunschhervorgerufen zu haben, an die Stelle der alten Kirche einenentsprechenden Neubau zu setzen. Auf diesen Zweck beziehtsich eine noch jetzt in St. Godehard -) erhaltene, aber theilweisschon unleserlich gewordene Inschrift 3 ), welche ein summari-sches Verzeichnifs des bewilligten Ablasses und der Ablafsgeberenthält. Prüft man die darin enthaltenen Namen der Kirchen-fürsten und ermittelt annäherungsweise die Zeit, in welcher jederbetreffende Ablafs ertheilt worden ist, so ergiebt sich als Resul-tat, dafs die Hälfte der Ablässe in sehr zusammenhängenderReihe von 1324—1348 ertheilt worden ist, die andere Hälfteaber später von 1374 —1470 und zwar in sehr lockerem, oftdurch grofse Zeiträume getrennten Zusammenhänge. Man kanndaher wohl die erste Hälfte auf den Neubau der Pfarrkirche,die andere Hälfte auf ihre innere Ausstattung mit Altären, Er-weiterung durch Kapellen etc. beziehen. Ob man den Bau schon1325 begonnen hat, ist fraglich, da die beiden Städte Branden-burgs schon damals und bis 1334 sich im Banne befanden. Dafser aber 1346 ziemlich vollendet gewesen ist, ist nach einer Ur-kunde vom genannten Jahre zu schliefsen, worin die St. Gode-hards-Kirche als eine derjenigen genannt wird, innerhalb derenein wichtiger bischöflicher Erlafs publicirt werden soll 4 ). Auchfinden sich in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrh. mehrfacheAltarstiftungen und Schenkungen, so 1364 und 1371, welcheebenfalls bestätigen, dafs die Kirche wieder gottesdienstlich be-nutzt wurde.
Eine neue Bauthätigkeit, veranlafst durch die vermehrte Feierder Frohnleichnams- und Marien-Feste, zeigt sich im XV. Jahrh.durch zahlreiche Stiftung von Altären und Gründung von Kapellenan der Kirche. In jener Zeit, nämlich von 1407—1474, stiftender Rath 4 Altäre, die Kalandsherren 5, die liebe Frauen-Gilde 1,die Schmiede, Schneider und Weingärtner je 1, so dafs dadurchauf das steigende Ansehen und vermehrte Einnahmen der Kirchegeschlossen werden kann 5 ).
Eine nicht mehr vorhandene, aber überlieferte °) Inschriftin St. Godehard gab von der angedeuteten Bauthätigkeit docu-mentarischen Beweis, indem sie lautete:
„Nach der Gebort Christi MCCCCLVI des Donredagsnach Paschen is angefangen dis Middelwerk dessesChores vermeddelst Hulpe und Vorderungen der ersa-men Herrn Borgermeistern und Ratmanne und der gan-zen Gemeinheit, besondere der Vorstehender der KerkenLaurentius Thiele und Peter Virchow. Gott gewe en al-len dat ewige Levent und ock jo dem Arbeiter dessesWerkes Henrik Reinstorp und alle sinem Gesinde. Amen.“
Der Ort, an welchem sich diese Inschrift befunden, läfstkeinen Zweifel (was auch Fincke gleich hervorhebt), dafs unter„Middelwerk desses Chores“ die mittelste der nach Süden her-ausgebauten Kapellen zu verstehen sei. Diese Kapelle enthieltlaut einer anderen, daselbst noch vorhandenen Inschrift denvom Rathe gestifteten Altar der heiligen Dreieinigkeit. Neben
1 ) Schon 1240 als vetus oder antiqua civitas bezeichnet, Riedel, a. a. O. IX, 2.
2 ) An dem Südtheile der Westwand dicht an der Orgel-Empore.
3 ) Vergl. Heffter, Brandenburg u. s. Alterth. S. 71 ff'.
4 ) Riedel a. a. O. VIII, 260.
5 ) Riedel, a. a. O. VIII, 381, 4üüff., 422, 431, 437, 442, 443, 449, 462 und IX,82, 181, 195.
6 ) Fincke, Programm von 1752, S. 8.