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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
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und kunstliebende Bischöfe immerfort zur besseren Ausstattung "der Kirche. Im Jahre 1440 wird das vortreffliche, in Messinggegossene Taufbecken und im Jahre 1474 der reiche ebenfallsnoch erhaltene Hochaltar (beide durch Inschriften sicher datirt)aufgestellt und endlich mit dem 1476 erlassenen letzten Ablafs- !jbriefe des kunstsinnigen Bischofs Arnold v. Burgsdorf für dieAusstattung des Frohnleichnamsaltars mit heiligen Geräthen und |Kerzen die gesammte fast 100jährige Bauthätigkeit beschlossen. |jDie Stiftung neuer, wie die Erneuerung älterer Altäre scheint ! !hier (wie dies fast überall der Fall gewesen ist) der angedeute- !;ten Bauthätigkeit gefolgt zu sein. Für die Jahre 1409, 1433, !j1437, 1450, 1474, 1494 sind uns derartige Dokumente überlie- |fert. Ueberhaupt besafs die Kirche mindestens 11 Altäre. Schonwenige Jahre aber nach der Vollendung ist von Reparaturendie Rede, denn 1484 mufste die Spitze des auf der Ostseite zwi-schen Schiff und Chor vorhandenen Thiirmchens (ein zierlicherDachreiter) erneuert werden, wie eine Inschrift des 1734 abge-nommenen Thurmknopfes besagte:

A. Chr. 1484 hic nodus renovatus est cum apice a quodamartißce Paulo, qui turrim Spandoensem exstrnxit etc. ').

Im Jahre 1541 wurde durch Vermittelung des zur evange-lischen Lehre übergetretenen Bischofs Matthias v. Jagow das IPatronat der Pfarrkirche dem Rath der Neustadt übergeben, j'nachdem darüber schon seit 1536 unterhandelt worden war 2 ). j,Die in der Kirche vorhandenen 11 Altäre 3 ) wurden ursprüng-lich geschont, aber in spätem Zeiten nach und nach, der letzte1736 entfernt, nur der Hochaltar hat bis heute Stellung und Func- 1tion behauptet. Kleinere Reparaturen des Dachreiters 1566 4 ) ab- !gerechnet, wäre der ganze trefflich ausgeführte Bau lange Zeit un-versehrt erhalten geblieben, wenn nicht am 30.Oct. 1580 ein furcht- jibarer von Erdschwankungen begleiteter Orkan verheerend über !die Stadt gezogen wäre und den Thurm von St. Katharina inseinen innersten Grundfesten erschüttert hätte. Von diesem Na-turereignisse, welches die Dächer beschädigte und einen grofsen !;Theil der freistehenden Kunstformen, Fialen, Giebel und Figu- |jren herabstürzte, blieben grofse Risse in dem Thurme zurück, ;idie trotz einer vorgenommenen Reparatur nicht zu beseitigen 1waren. Zwei Jahre später öffneten sich die nur nothdürftig 1ausgebesserten Fugen beim Eintritt des Frühjahrs aufs Neue;der Rath schickte sofort zum Kurfürsten und bat um Zusen- Idüng eines berühmten Sachverständigen, des damaligen obersten ,Artillerie-Bau- und Zeugmeisters, Grafen Q. v. Lynar, aber noch j,ehe die Antwort zurück erfolgte, stürzte der mächtige Thurm (am 30. März 1582 zusammen, in seinem Sturze das Dach unddie Gewölbe schwer beschädigend, die Glocken, die Orgel undden alten massiven Taufstein zerschmetternd. Der Kunstpfeifer, jwelcher auf dem Thurme wohnte, hatte schon den Tag vorherdie Seinen und sich selbst in Sicherheit gebracht, aber seinedrei jungen Gesellen oben zurückgelassen. Aber auch diesefielen bei dem Sturze in ihren Betten so glücklich auf denSchutthaufen, dafs keiner derselben, geringe Verletzungen abge-rechnet, ernsthaften Schaden nahm. Der Rath der Neustadt be-gann sogleich mit Unterstützung des Kurfürsten, der Kirchenge-meinde und vieler Privatpersonen aus der Mark einen Neubau,der von dem Meister Johannes Baptista von Mailand 5 ) geleitetund so rasch gefördert wurde, dafs er 1585 vorläufig mit einemverlorenen Dache abgeschlossen werden konnte. Doch ruhte der

*) Dieser Meister Paul, welcher schon 1467 den Thurm der St. Nicolaus-Kirche zuSpandau erbaut hatte, wird ebenfalls inschriftlich auf einem im Thurmknopfe der Kloster-kirche von Neu-Ruppin 1693 gefundenen Zettel genannt, nämlich:

A. 1488 in vigilia praesentationis virginis Mariae, erectum est praesens opus (der 'Thurm) a Magistro Paulo, Architectore civitatis Brandenburgensis etc. ji

(Vergl. Riedel, IV, 271.) ji

2 ) Riedel, IX, 279.

3 ) Riedel, IX, 253 enthält das Verzeichnifs derselben und 285 die Uebersicht

aller geistlichen Lehne. l

4 ) Gottschling, Beschr. von Brand. S. 74. \\

5 ) Dieser Meister heifst eigentlich Joh. Bapt. de Sala und ist als Gehülfe des Grafen ,Quirin v. Lynar bei der Vollendung des Festungsbaues zu Spandau ca. 1575 beschäftigt.Vergl. J. L. Dilschmann, diplomatische Geschichte der Festung Spandau. Berlin 1785,

wo auch die früheren Ingenieure Franz Chiramella de Gandino 1568 und Christoph Römer1575 genannt werden. ||

Bau nicht lange, sondern wurde durch den RathszimmermeisterBalthasar Richter aus Dresden mit dem Aufstellen der geschweif-ten Spitze vollendet und mit alten in Maestricht erkauften Glockenaufs Neue ausgestattet. Die Baukosten ohne die Spitze betrugen8575 Gulden, der Ankauf der Glocken erforderte 2750 Gulden; derganze Bau kostete über 12000 Gulden (d. h. 22000 Thlr.).

Im Jahre 1725 beschädigte ein Blitzstrahl den Thurm unddie Orgel von Neuem, so dafs eine längere Reparatur erforder-lich wurde, welche sich auch auf das Innere erstreckte, den ur-sprünglichen Rohbau daselbst mit Putz überzog und wahrschein-lich die Altäre entfernte, die letzten derselben 1736. Seit die-ser Zeit hat die Kirche den östlichen Dachreiter, sowie durchWitterungseinflüsse einen nicht unbeträchtlichen Theil der äufse-ren Kunstformen verloren, ist aber im Wesentlichen noch guterhalten.

Baubeschreibung.

Der Grundrifs der Kirche Bl. XI, Fig. 1 zeigt eine dreischif-fige gewölbte Hallenkirche mit halbachteckig geschlossenem Choreund herumgeführten Seitenschiffen. Die Strebepfeiler sind, wieGrundrifs und Querdurchschnitt Bl. XII, Fig. 1 ergeben, nachinnen gelegt und, theils um Material zu sparen, theils um einenobern Umgang zu erhalten, zweimal mittelst spitzbogiger Oeff-nungen durchbrochen. Der Umgang, der durch die grofsen un-teren Oeffnungen führt, ruht auf breiten ungegliederten Flach-bogen, welche unterhalb der Fenster die Strebepfeiler verbinden.Sechszehn achteckige Pfeiler mit eingelassenen Rundstäben anden Ecken und nach den Schiffen zu mit dreifachen zierlichenDienstbündeln versehen, Bl. XI, Fig. 2 und XII, Fig. 5, tragendie mehrfach gegliederten Kreuzgewölbe. Zwei der Pfeiler, wel-che Chor und Schiff trennen, sind stärker gebildet als alleübrigen und mittelst breiter Gurtbogen mit den Seitenmauernverbunden. Ueber diesen Gurtbogen erhebt sich oberhalb derGewölbe in der ganzen Breite ein einfach getheilter Giebel, wel-cher noch jetzt das Dach des Chores von dem des Schiffestrennt und oberhalb mit seinen einfachen Pfeiler-Endigungensichtbar ist. Dafs dieser stattliche Giebel während des Neu-baues als provisorischer Abschlufs des zuerst vollendetenSchiffes gedient haben mufs, und auch als solcher beabsichtigtwar, geht aus den erwähnten stärker angelegten Pfeilern nebstden darüber befindlichen Gurtbogen (welche sogar noch dieObertheile der Fenster bewahrt haben Bl. XII, Fig. 1), sowieaus der Thatsache hervor, dafs derselbe ohne alle Anwendungvon profilirten oder glasirten Steinen erbaut worden ist. Umaber zwischen dem reichen farbigen Ziegelschmuck der Schiffs-fa<;ade ein ästhetisches Gleichgewicht mit dem aufgeführten Gie-bel herzustellen, hat man den letzteren in rothen, weifsen undschwarzgrünen Farben chablonenartig vollständig bemalt, vonwelcher Behandlung, Bl. XII, Fig. 7, die oberste Spitze zeigt.Nach den sehr gut erhaltenen, fast wie neu erscheinenden Far-ben mufs der anschliefsende Chorbau aber sehr rasch empor-geführt und mit seinem Dache bald eingedeckt worden sein,wodurch der Giebel den Augen entzogen, aber um so bessererhalten wurde. Somit knüpft sich ein doppeltes Interesse anden erwähnten, unter allen Backsteinbauwerken als ein Unicumdastehenden Bautheil. Für die specielle Baugeschichte von St.Katharina ergiebt derselbe den bündigen Beweis, dafs das Schiffzuerst gebaut und nach aufsen hin vollständig, aber provisorischabgeschlossen worden ist, und für die allgemeine Kenntnifs dernorddeutschen mittelalterlichen Bauweise wird die Anschauunggewonnen, in welcher ebenso eigenthümlichen, wie billigen Weisederartige provisorische Bauabschlüsse hergestellt wurden.

In welcher Zeit der Chor erbaut und geweiht worden ist,läfst sich nicht bestimmen, da betreffende Urkunden fehlen unddie genaue Uebereinstimmung desselben mit dem Schiffe keinenSchlufs aus seinen Kunstformen zu ziehen erlaubt. Jedenfallsist derselbe in nicht allzu ferner Zeit und dem ursprünglichenPlane entsprechend vollendet worden.

Nördlich von dem Schiffe, aber direct mit demselben ver-