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VIII. Pfarrkirche St. Katharina der Neustadt Brandenburg.
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Historisches.
.. Das Stiftungsjahr dieser St. Katharina, St. Ainalberga undSt. Nicolaus geweihten Pfarrkirche ist urkundlich nicht überlie-fert worden, läfst sich aber in den Anfang des XIII. Jahrh.setzen, weil die Neustadt als deutsches Dorf schon am Schlüssedes XII. Jahrh. genannt wird und bei raschem Wachsthum sehrbald städtische Rechte und Bezeichnung erlangte. Die Kirche* ist von den Landesherren gestiftet und mit ihrer Hülfe erbautworden, weil das Patronat erst im Jahre 1305 von denselbenan das Domkapitel überging'). Die älteste urkundliche Erwäh-nung fallt in das Jahr 1224, wo ein an der Kirche fungirenderVikarius genannt’-) wird. Sechszig Jahre später mufs die Kir-che schon mehr Bedeutung gehabt haben, da ein Pfarrer undzwei Diakonen als Geistliche daran erscheinen. In dieselbeZeit 'weist, das Datum einer nicht mehr vorhandenen, aber inihrer Inschrift überlieferten Glocke hin, deren leoninische Verselauteten:
Sande Catherine — laus sit sine ßne.
MCCLXXX VII.
Da diese Glocke der Mittheilung des Garcaeus 3 ) zufolge,50 Ctr. gewogen hat und der alte quadratförmige Thurm, wel-cher sie trug, eine Höhe von 80 Ellen besafs, so kann auf einziemlich ansehnliches Gebäude geschlossen werden, welches inunbekannter Zeit gegründet und 1287 so weit vollendet war,dafs es die letzte Ausstattung empfangen konnte. Hierauf scheintdie bei Fincke, a. a. 0. S. 425 erhaltene, bisher unerklärte Nach-rieht, dafs im „Jahre 1270 die St. Pauls-Kirche dieser Neustadtfertig geworden ist, wie man am alten Chor die Jahres-zahl sähe“, bezogen werden zu können; nur mufs St. Katha-rinen-Kirche dieser Neustadt an Stelle von St. Paul ge-setzt werden. Der Hauptgrund, welcher für diese Umänderungspricht, ist der, dafs laut noch vorhandener Inschrift in der St.Pauls-Kirche die Dominikaner-Mönche erst im Jahre 1286 vomMarkgrafen Otto dem Langen einen ihm gehörigen Hof zumKloster geschenkt erhalten, darauf ein Gotteshaus erbauen unddasselbe noch im selben Jahre feierlich einweihen 4 ). Hierausgeht hervor, dafs, wenn dieser erste Bau von St. Paul, wie sohäufig, die Herstellung des Chors umfafste, derselbe kein ande-res Datum empfangen und zeigen konnte, als das Jahr 1286.Wohl aber hat der Chor der ältern Kirche von St. Katharinabis zum Jahr 1395 gestanden, wo er dem jetzigen Neubau wei-chen mufste. Sehr möglich ist es nun, dafs dieser Abbruch aufdas ältere Datum von Neuem aufmerksam machte und dasselbein der oben angeführten kurzen Notiz überlieferte. Dazu kommt,dafs eine ähnliche Verwechselung zweier Kirchen bei einem derältesten und gewissenhaftesten nachmittelalterlichen Historiker,dem mehrfach erwähnten Garcaeus, vorkommt, welcher nach-weislich St. Johannes mit St. Paul verwechselt 3 ).
Hierauf gestützt und unter Bezugnahme auf die Thatsache,dafs im Jahre 1287 eine für jene Zeiten sehr grofse Glocke si-cher vorhanden ist, scheint die Annahme gerechtfertigt, die Vol-• lendung des Chorbaues der älteren St. Katharina-Kirche in dasJahr 1270 zu setzen. Doch ist man nicht im Stande, von die-sem älteren Bau eine gesicherte Vorstellung zu gewinnen, dajede weitere Andeutung über Form und Beschaffenheit dessel-ben fehlt. Besser unterrichtet sind wir über die weitere reicheAusstattung der Kirche durch Schenkungen, Vermächtnisse unddaran geknüpfte Altarstiftungen, womit fast jeder Landesherrvon Woldemar, dem letzten Anhaltiner, bis auf Kaiser Karl IV.seinen christlichen, wohlthätigen Sinn bethätigte 6 ).
Von Wichtigkeit war es, dafs Bischof Dietrich v. Schulen-burg im Jahre 1372 durch einen besondern Erlafs empfahl, eine
’) Vergl. Riedel, a. a. O. A. VIII. 201.
а ) Heffter, a. a. O. S. 172.
3 ) Garcaeus, a. a. O. I, p. 346.
*) Vergl. unten XIV. Klosterkirche St. Paul.
5 ) Vergl. unten XIII. Klosterkirche St. Johannes.
б ) Vergl. Riedel a. a. O. VIII. 207. 224. und IX. 37. 39. 40. 56. 300.
von ihm geweihte und in einer kostbaren Monstranz verschlos-sene Hostie bei ihrer Ausstellung und Procession in der St. Ka-tharinen -Kirche hochfeierlich zu verehren ’). Der Zulauf derGläubigen, sowie der Reichthum der an Macht und Ansehenaufserordentlich gewachsenen Neustadt, endlich die baulustigeTliätigkeit des Bischofs selbst, welcher am Hofe Carls IV. eineeinflufsreiche Stellung eingenommen hatte, scheinen um das Jahr1380 den Rath veranlafst zu haben, einen grofsartigen Neubauder Pfarrkirche zu beschliefsen und vorzubereiten.
Zu diesem Behufe erliefs Bischof Dietrich (welcher gradedamals den oben S. 12 erwähnten Umbau des Domes betrieb)auf Bitten des Rathes der Neustadt schon 1381 einen vierzig-tägigen Ablafsbrief für die Zwecke des Baues (ad structuramet alia Ornament a ecclesiastica ). Es ist dies der erste Ablafs-brief für St. Katharina, an den sich im Laufe der Jahre undwahrscheinlich dem Fortschreiten des umfangreichen Baues ent-sprechend andere derartige Indulgenzschreiben vom Papst Bo-nifaz IX. 2 ), vom Erzbischof Johann von Riga 3 ), den Bischöfenvon Havelberg, von Lebus ’), Meifsen, Naumburg, Lübeck, Cam-min etc. in fast ununterbrochener Folge von 1385—1402 an-schliefsen. Das bei Fincke, a. a. O. 1752. S. 4, erhaltene summari-sche Verzeichnifs ergiebt die bedeutende Summe von 1806 TagenAblafs und den Erlafs von 37 Carenen (Fastentagen bei Wasserund Brot), zu welcher ein Papst, 3 Erzbischöfe und 15 Bischöfebeigesteuert hatten. In einem Bestätigungsdocumente des Bi-schofs Dietrich heifst es mit Bezug auf diese Ablafsertheilungen:ad praedidatn restaurandam et ad fabricam hujus ecclesiae,wobei hervorzuheben ist, dafs die Ablässe des Papstes 1394, desErzbischofs von Riga und des Bischofs von Meifsen 1392 sichausdrücklich auf den Bau und die würdige Feier in der Frohn-leichnamskapelle an der Katharinen - Kirche beziehen*
Der Nachricht des Neustädter Schöppenbuchs zufolge hatman am 14. Februar 1395 angefangen, das Gemäuer der altenKirche abzubrechen 5 ) und ist der Bau, wobei die Westfront mitdem alten Thurm stehen blieb, im Wesentlichen 1401 vollendetworden. Auf die Vollendung bezieht sich die auf einer gebrann-ten Thontafel an der nördlichen Kapelle befindliche gleichzei-| tige Inschrift, welche nach Auflösung der üblichen Abkürzun-ii gen lautet:
| Anno domini MCCCCI construda est haec ecclesia in die
I 1 assumtionis Mariae virginis per magistrum Hinricum Bruns-
I bergh de Stettin.
Doch kann die Vollendung des Baues, namentlich der Frohn-! leichnamskapelle (an welcher diese Inschrift befestigt ist) zu jener1 Zeit noch nicht eingetreten gewesen sein, da Bischof Johann IV.jj von Lebus 1401 einen abermaligen Ablafsbrief allen denen er-|| theilt, welche in der Kirche zu Ehren des Frohnleichnams die1 Messe anhören und der Brüderschaft desselben (der Frohnleich-namsgilde) zum Bau rnnd zur Verzierung ihrer Kapelle an! der Kirche beisteuern würden. Die folgenden Zeiten, welcheij durch die Unthätigkeit des fremden Regenten Jobst von Mäh-ren und die ehrgeizigen Bestrebungen der Quitzow’s einen Zu-stand völliger Rechtlosigkeit und Unsicherheit in den Markenherbeiführten, haben die gänzliche Vollendung des Baues undseine letzte Ausstattung noch weiter hinausgeschoben. Nur 1409wird ein neuer Altar des heiligen Blutes gestiftet und wahr-scheinlich nach Vollendung des dazu gehörigen Kapellenbauesan der Nordseite der Brüderschaft des heiligen Blutes (fraler-' nitas corporis Christi ) übergeben. Darauf finden sich 1422 6 ),1425 und 1437 wieder Ablässe, welche für die Frohnleichnams-kapelle und ihren Altar ertheilt werden. Den letzten derselbengiebt Bischof Stephan (Bodeker) v. Brandenburg bei einer neuenWeihung des Frohnleichnamsaltars 7 ). Doch sorgen der Rath
! *) Riedel, VIII. 298.
а ) Riedel, IX, 71, besonders für die würdige Feier des Frohnleichnamsfestes.
j 3 ) Riedel, VIII, 368 besonders für die baulichen Zwecke der Frohnleichnamsgilde.
| ') Riedel, IX, 81.
I 5 ) Heffter, a. a. O. S. 239.
б ) Riedel, VHI, 395 besonders zur Vermehrung und Erneuerung von Lichtern, Ge-räthen etc. bei der Frohnleichnamsmesse.
7 ) Riedel, VIII, 407.
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