tung des Uebergangsstyles nachweist) für den Umbau der Kryptaals gesichert gelten lassen müssen.
Der altromanische Bau hat nun 100 Jahre nach seiner Wei-hung einen umfassenden gothischen Umbau erfahren, der wahr-scheinlich den besondern Zweck hatte, ihn statt der Holzdeckendurch Gewölbe feuersichrer zu machen. Dieser Umbau erscheintunzweifelhaft an den Verstärkungen, welche an die Arkadenpfei-ler nach den Seitenschiffen zu angesetzt worden sind, und derentreffliche Profilirung Bl. VII, Fig. 15, darstellt. Man erkennt ihnferner an dem gröfsten Theil der Fensterproiile der Nordseite,an den Diensten nebst Konsolen, welche die Gewölbe des Mit-telschiffs tragen, an der Vorhalle, endlich an den Vierungsbogen,Wänden und Fenstern des Chores. Aber die sämmtlichen Ge-wölbe, derentwillen der ganze kostbare Umbau erfolgte, sindnicht mehr vorhanden, sondern die jetzigen Gewölbe zeigen einenochmalige spätere Erneuerung. Diese erst nach der genauestenUntersuchung erkannte Thatsache läfst sich durch mehrfache' Gründe stützen. Einmal haben die sämmtlichen jetzt vorhande-nen Gewölbe alle Kennzeichen späterer Bauzeit. Sie sind aufser-ordentlich dünn, kaum 4 Zoll stark construirt, sehr hochbusig,ohne Kehlen in dem Scheitel gewölbt, und zeigen die Gurte undRippen nach demselben Profil gebildet. Zweitens sind die sämmt-lichen gothischen Pfeilerprofile, welche um mehr Widerlager zubekommen, in den Seitenschiffen sowohl auf Wand- wie Pfeiler-seite vorgelegt sind, am Kämpfer ohne alle Auflösung abgeschnit-ten und die Gewölberippen und Gurte auf Steinkapitelle unver-mittelt aufgesetzt. Dazu kommt, dafs die Gewölberippen undSchlufssteine des Mittelschiffs von denen der Seitenschiffe unter-schieden sind. Die letzteren sind unzweifelhaft älter und nurbei dem Erneuerungsbau benutzt Endlich zeigt die Structur dersämmtlichen Gewölbe bei einzelnen Nachlässigkeiten eine so si-chere, langgeübte Technik, wie sie frühgothischen Bauten, na-mentlich ihren Wölbungen nicht eigen zu sein pflegt. Das Ge-sagte wird an den Chorgewölben am deutlichsten, deren technischeStruktur an die ähnlichen Chorhäupter von Wilsnack, Stendal u. a.so auffallend erinnert, dafs man nicht anstehen kann, ihre Her-stellung in eine gleiche Zeit, den Schliffs des XIV. Jahrhunderts,zu versetzen. Der dritten, frühgothischen Bauzeit gehört aufBl. VII, aufser Fig. 1, 2, 4 — 8 noch Fig. 11 die nördliche Brü-stungsmauer in der Vierung an, deren Profile von seltner Ele-ganz und Reinheit sind. Als wesentlich charakteristisch für dengothischen Umbau treten zwei Eigentümlichkeiten auf, einmal,dafs alle Profile und Kunstformen noch sehr entschieden aufFormen des Hausteinbaues zurückweisen, und dafs andrerseitsdie meisten derselben nur einmal an jedem Profile auftreten, stattwie in späterer Zeit mehrere Male hinter einander geordnet zuwerden. Die Chorwände zeigen Bl. VI, Fig. 1 u. 2, unterhalbder Fenster rundbogige Nischen und die Gewölbedienste wie imMittelschiffe auf Konsolen aufsetzend, eine Anordnung, welchespäter in märkischen Kirchen fast stereotyp auftritt. Auch derWestgiebel, d. h. der auf der Westmauer des romanischen Bauesaufsetzende Giebel ist von diesem gothischen Umbau erhalten.Er zeigt in tüchtiger strenger Bildung als Schmuck einen durchFormsteine gebildeten Kreis, welchen zwei durchschlungene gleich-seitige Dreiecke stabwerksartig theilen, welche Gliederung inähnlicher aber nicht so bestimmter Weise auch an der Franzis-kanerkirche zu Berlin und an pommerschen und hannoverschenKirchen mehrfach vorkommt Dafs dieser kurz charakterisirteUmbau gleich nach 1295 und 1296 erfolgt ist, worauf die obenerwähnten reich begabten Ablafsbriefe des Papstes und 14 seinerKardinäle hindeuten, scheint sehr wahrscheinlich, doch ist dar-über urkundlich nichts Sicheres festzusetzen. Der nach 1324beginnende Umbau der Kirche St. Godehard, ein ganz einheit-licher Bau, zeigt aber schon so völlig andere Formen, dafs manden gothischen Umbau des Domes nicht weiter, als auf höchstens1320 stellen kann.
Den vierten und wesentlich letzten Erneuerungsbau habenwahrscheinlich die um 1300 ausgeführten Gewölbe veranlafst,welche ohne Anordnung von Strebepfeilern dem alten romani-
schen Bau hinzugefügt worden waren. Denn nur bei dieser| Annahme erklärt sich die Nachricht, dafs Bischof Dietrich vonSchulenburg schon 1377 wieder einen sehr umfassenden Repa-raturbau anordnen mufs, der sich bis 1390 ausdehnt und betrachtei liehe Mittel des schon ungünstig gestellten Domkapitels erfordert.Dieser Bau von 1377 zeigt sich in sämmtlichen durch kühneLeichtigkeit und sichre Technik ausgezeichneten Gewölben, fer-I ner in dem Giebel des nördlichen Kreuzschiffes, in der Erneuerungj, der südlichen Mittel- wie Seitenschiffsmauer, endlich in der hin-j ausgerückten, aber unvollendeten Westfa^ade mit dem Haupt-i: portale. Dafs die beiden Südmauern erneuert sind, beweist der
Umstand, dafs die Spitzbogenfenster daselbst nicht, wie auf derNordseite, nachträglich und ohne Verband zu halten eingemauert,
sondern mit den Fenstern und ihrenProfilen in durchgehenden Lagerfugenausgeführt sind. An diesen Mauernfinden sich bereits Ziegelstempel die nur an solchen früherenBautheilen Vorkommen, welche in dieser Zeit erneuert wurden.Aufserdem erscheinen in die Wand eingelassene Rosetten, mittheilweise schon spielend componirtem Stabwerk, wie dies Bl. VII,Fig. 9 u. 10, zeigen. Mit grofser Wahrscheinlichkeit ist auch der!j Verbindungsgang im nördlichen Kreuzschiffe, welcher die Ober-gemächer der Stiftsgebäude mit dem Chore direkt verbindet undmit einer mächtigen Zinnenwand, Bl. VII Fig. 3, als Schrankeeingefafst ist, ebenfalls aus der Zeit des Bischofs Dietrich. DasHauptportal deutet durch die massigen, in abwechselndem Maafs-stabe wiederkehrenden Thürprofile, welche mit denen der St. Ka-tharina Kirche in der Neustadt Brandenburg bereits Aehnlichkeithaben, sowie durch die reiche, dem ältern Backsteinbau fremde1 Ausstattung der Wand- und Strebepfeilerflächen mit Stabwerks-i theilungen auf eine spätere Bauzeit hin. Nur das kapitellartige,in Sandstein skulpirte Kämpferprofil mit Darstellungen aus deri) Thierfabel scheint von dem ältern Bau hierher übertragen, da diejj daran auftretenden Motive einerseits auf ältere Bildung zurück-jj weisen, andrerseits die profilirten Formsteine in ihren Ausladun-! gen mit dem Sandsteinkämpfer nicht übereinstimmen. Da der-ij artige Portalbildungen an andern Bauwerken in vollendetererI Weise vorhanden sind, so ist von einer Darstellung Abstand ge-nommen worden. Derselben Bauzeit gehört endlich auch dasj kleine halbachteckige Treppenthürmchen auf der Ostseite des! südlichen Kreuzschiffes an, da es ebenfalls die oben mitgetheil-ten Ziegelstempel besitzt.
Was schliefslich, wie erwähnt, „an Türnen und Kirchen“j 1426 gebaut ist, sind die Mitteltheile des Nordthurmes, einzelne;i erneuerte Oberfenster auf Nord- und Südseite und der achteckigeji Treppenthurm auf der Südseite. Die in letzterem befindlichej Wendeltreppe zeigt vortreffliche Backsteinstufen von 8 Zoll Höheund 19 Zoll Breite incl. Spindelansatz aus einem Stück gebrannt,und sauber glasirte Plinthensteine, die mit denen vom Mühlen-thorthurme übereinstimmen.
Der nachmittelalterlichen Reparatur von 1669 bis 1672 sinddie charakterlosen abgerundeten Fensterprofile am Nordthurme,sowie die sandsteinernen Wappen der Domherren, endlich die1834 abgenommene Spitze zuzuschreiben, von welchen Bauthei-len indefs so wenig wie von dem unerfreulichen Restaurations-i baue von 1834 Specielles mitzutheilen ist.
Kunstwerke.
\ Von den im Dome vorhandenen Kunstwerken wird der go-
j thische sandsteinerne Taufstein später mitgetheilt werden. Die! übrigen Sculpturen sind mit Ausnahme einiger Fragmente vonbacksteinernen Grabplatten mehr historisch interessant, als künst-lerisch wichtig. Der älteste Grabstein ist der des Domherrn| Peter v. Thure von 1281. Ein mächtiges Heilandskreuz, welches| bis 1834 unter dem westlichen Vierungsbogen hing, hat diesenj alten Platz seitdem verloren und steht mit andern Holzskulptu-| ren in der Krypta. In dem Querschnitt Bl. VI. Fig. 1 ist esI dagegen als am ursprünglichen Orte befindlich mitgetheilt wor-i! den. Dasselbe gilt von den Chorstühlen, unter denen der des