Druckschrift 
1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

Ring zusammenlaufen

schnitt), aus feinkörnigem Sandstein. Die ursprünglichen Eingängezur Krypta auf ihrer Nord- und Südseite zeigen einfach pro-filirte Rundbogen, deren mittelste Kehle mit kleinen Rosen oderKnöpfen belegt ist.

Eine zweite Bauepoche, die des .sogenannten Uebergangs-styls macht sich sodann in den polygon geschlossenen Ostwän-den und Kreuzgewölben der Krypta, in dem nördlich neben der-selben belegenen kapellenartigen Raume mit seinen zwei Geschos-sen, sowie in der Ostseite des Kreuzganges bemerkbar. Die in-nern Polygonecken der Krypta sind mit steinernen Dreiviertel-spulen spätromanischer Bildung besetzt, Bl. VI,W Fig.II, von denen sich kreisrunde sehr plumpeRippen erheben und sternförmig in einenZwischen diesen Säulen liegen in derMauer die stark abgeschmiegten niedrigen Spitzbogenfenster, wel-che früher aufsen noch mit Wandsäulen und darüber aufsteigen-dem Rundstab geschmückt waren. Ganz ähnliche wohl erhalteneGliederung zeigen die Aufsenfenster der eben erwähnten buntenKapelle neben der Krypta, von denen Bl. VII, Fig. 12, eine Dar-stellung; giebt. Aufserdem wölben sich 10 Zoll vor den Aufsen-wänden hervorspringend Halbkreisbogen über die Kryptenfensterhin, die auf ziemlich einfachen Konsolen aufsetzen und, ehe diespätem Strebepfeiler gegengelegt wurden, eine ähnliche Wand-dekoration darboten, wie dieselbe an den Kapellen des Magde-burger Domes noch jetzt sichtbar ist, und wie der Chor vonSt. Marien auf dem Harlunger Berge früher besafs. Ob aufser-dem diese Blendarkaden mit Pfeilern oder Säulen verbundenwaren, läfst sich wegen der davor gebauten Strebepfeiler nichtmehr erkennen. Das Langhaus der Krypta ist durch eine Mit-telreihe von Sandsteinsäulen mit reichen Kapitellen der Längenach in zwei Schiffe getheilt. Da wo Langhaus und Polygon-absis zusammenstofsen, erhebt sich auf zwei Säulen mit über-höhten Spitzbogen eine durchbrochene Querwand, gegen welchesich die Gewölbeschildbogen beider Theile legen. Die Kreuz-gewölbe des Langhauses ruhen auf scharfkantigen Gurten undRippen, deren Schlufssteine eine gute romanische Arbeit zeigen.Die Gewölbe selbst können aber nicht wohl die ursprünglichendes romanischen Baues sein, w r eil die Gurtbogen völlig roh undunvermittelt auf den Kämpfern der alten Wandpfeiler aufsetzenund die Struktur der ganzen Wölbung nirgends die sorgfältige,gewissenhafte Arbeit zeigt, welche die altromanischen Theile aus-zeichnet. Von besserer und fast vorzüglicher Arbeit sind da-gegen die Basen und Kapitelle der Mittelsäulen, die mit phan-tastischen Blattornamenten und symbolischen Thiergestalten ge-schmückt spätestens auf die erste Hälfte des XIII. Jahrhundertshinweisen*). Dafs diese Säulen von dem romanischen Baue derKrypta herrühren, scheint zweifelhaft, da die reiche Skulptur-Arbeit einen zu bedeutenden Gegensatz gegen die Wandpfeilerund ihre Gliederung bildet, wiewohl es immer auffallend bleibtdafs zwei der Mittelsäulen mit ihren Kapitellen so dicht nebeneinander gestellt sind, dafs die Seitenflächen derselben nicht sicht-bar werden, obschon sie mit Skulpturen geschmückt sind.Bemerkenswerth ist noch ein auf der Westseite der Krypta-Querwand befindliches Figürchen aus gebranntem Thon, welches

dicht unter den Gewölberippensitzend, einen unbärtigen Mann mitlangen schlichten Haaren in Laien-tracht darstellt. Wenn dieseFigur wirklich aus der Zeit desKryptenumbaues herrührt, woranzu zweifeln kaum ein Grund vor-liegt, so ist dies die älteste mirbekannte Thonskulptur in denMarken. Die nördlich neben derKrypta belegene bunte Kapelle be-steht aus einem oblongen Raum,

I

-Y2r-A

!

zu welchem zwei rundbogige Thüren von dem Kreuzflügel füh-ren, und dessen vier Kreuzgewölbe von einer kurzen stämmigenSäule mit gothischem Laubkapitell gestützt werden. Dieser Raum,der früher durch eine Mittelwand in zwei besondere Abtheilungengetheilt gewesen sein mufs, ist wegen der reichen Malereien, mitdenen Decken, Wände und Stützen bemalt waren, von grofsem

Interesse. Die Gewölbegurte sind völligglatt, die Diagonalrippen abgeschrägt, beidenebst den Schlufssteinen mit Chablonen-malerei auf ungeputzten Backsteinen versehen, wovon Minutolia. a. 0. Bl. XI eine Abbildung giebt. Die Anfänger der Gurt-bogen sind consolenartig aus Backstein

« gebildet und, wie der Holzschnitt zeigt,mit Blattwerk geschmückt. Die Dia-. _k gonalrippen setzen auf steinernen Drei-viertelsäulen auf, welche den Wand-säulen der Kryptenabsis so ähnlichsind, dafs die übereinstimmende Bau-zeit gleich erkannt wird. Die Fenstersind im Innern gedrückt rundbogig undan den profilirten Schmiegen mit Cha-blonenmalerei versehen, welche Minu-toli gleichfalls bereits a. a. 0., Bl. I,mitgetheilt hat. Die an den Wändenvorhanden gewesenen Freskomalereien, welche heilige Begeben-heiten dargestellt zu haben scheinen, sind leider fast völlig er-loschen. Auch die Gewölbekappen sind in späterer Zeit mitschlechtem gothischen Rankenw r erk mehr verunstaltet als ver-ziert worden. Dennoch und trotz alles Verfalls gewährt dieserRaum, in welchem wahrscheinlich dieselben Nebenkapellen zuerkennen sind, die so viele Klöster und Stiftskirchen neben demAltarraume besitzen, ein bestimmtes einheitliches Bild von derschmuckreichen Dekoration aus der Epoche des Uebergangssty-les. Nur die in der Mitte befindliche Steinsäule kann des völliggothisch ausgebildeten Laubkapitells halber nicht in diese Epocheversetzt werden, sondern wird einem bald darauf erfolgten Um-bau angehören. Dies wird um so wahrscheinlicher, als das dar-über befindliche Gemach eine ähnliche Mittelsäule und in denEcken gänzlich verschiedene Dreiviertelsäulen romanischer Bil-^ düng zeigt. Die Kreuzgurte sind dort sehr

yyT schmal (halbsteinig); die Diagonalrippen

keilförmig zugeschnitten. Aehnliche For-mationen, besonders gekuppelter Säulen mit attischen Basen undromanischen, symbolisirenden Kapitellen zeigt die Ostseite desKreuzgangs, besonders ein darin vorhandenes interessantes Haupt-portal mit dreimal hinter einander liegenden Säulen und darüberemporsteigenden wenig zugespitzten Rundbogen. Die Thatsache,dafs die Wandpfeiler der Krypta einen von den Mittel- wie Ab-sis-Dreiviertel-Säulen durchaus verschiedenen Charakter haben,auch die Gewölbe auf den Wandpfeilern roh und unvermitteltaufsetzen, endlich statt der halbkreisförmigen eine polygone Ab-sis mit schwerfälligen spitzbogigen Fenstern auftritt, beweiseneinen Erneuerungsbau der Krypta. Erwägt man nun den nahenZusammenhang des Erzstiftes Magdeburg mit Brandenburg, dieeine Uebertragung dort bereits angewendeter frühgothiseher For-men sehr wahrscheinlich macht und vergegenwärtigt sich diegrofse Aehnlichkeit der Fa^adenbildung der Domchor-Kapellenzu Magdeburg mit der Krypta-Fa^ade im Dome zu Brandenburg,so wird man das für die Baugeschichte der Mark höchst wich-tige Datum von 1235 (welches die unglaublich rasche Verbrei-

*) Diese Kapitelle sind in Minutoli, Denkm. mittelalterl. Kunst in den brandenburgi-schen Marken, T. IV u. X, dargestellt. Ich mache hierbei besonders auf das mit Skulptu-ren geschmückte Würfelkapitell aufmerksam, an dem jede Seite mit einem bewaffneten

Krieger, dessen Oberkörper in Thierfüfsen und Fischschwanz endigt, gefüllt ist. Bei allerPhantastik der Komposition sind diese Skulpturen doch mit einer strengen bis ins kleinstegewissenhaften Realität ausgeführt und durch Tracht, Bewaffnung und Haltung so deutlichvon einander unterschieden, dafs die bewufste Absicht, nicht durch symbolische Andeutun-gen, sondern reale Motive, künstlerische Ideen darzustellen, unverkennbar hervortritt. Manunterscheidet deutlich zwei in Kettenpanzer gehüllte Ritter, darunter einen besonders durchKronenhelm ausgezeichneten Heerführer von dem ohne Helm und Panzer, nur mit Streit-axt und langem spitzem Schilde bewaffneten Gegner. Es scheint mir mit Rücksicht aufdie Trachten nicht unwahrscheinlich zu sein, dafs in diesen verschiedenen Kriegern, diesich feindselig gegenüberstehen, eine bewufste Anspielung auf die damals eben beendigtenblutigen Slavenkämpfe dargestellt worden ist.

4