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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Bischofs durch strenge Formen ausgezeichnet, sehr wohl bis inden Anfang des XIII. Jahrhunders zurückreichen kann. DieKirche besitzt aufserdem einen bedeutenden Schatz von pracht-vollen Mefsgewändern, darunter das erwähnte Sammtgewand mitden Insignien des Schwanenordens, ferner von Leuchtern, Schrän-ken, Flügelaltären und Reliquien. Von den 15 Altären, welcheeinst den Dom schmückten, sind die wenigsten erhalten. Derjetzige Clioraltar, der unzweifelhaft aus dem Kloster Lehnin stammt,ist wegen seiner trefflichen Flügelbilder vom Jahre 1518 beson-ders berühmt.

Technisches.

Für die Ausführung des romanischen wie gothischen Bauesgilt dasselbe, was früher von der Kirche St. Nicolaus gesagtworden ist. Bei vortrefflichem Material und gediegener Arbeitzeigt sich grofse Sparsamkeit in Formsteinen. Die Backstein-formate wechseln den verschiedenen Bauzeiten entsprechend sehrhäufig, ohne dafs sich eine so bestimmte zeitliche Veränderungdarin nachweisen liefse, wie dies Minutoli in seinem Werke ver-sucht hat. Die Chorstrebepfeiler sind auffallenderweise auf Gra-nitfundamenten errichtet. An einzelnen Theilen, z. B. den Chor-wänden zwischen den Fenstern der Krypta und denen des Chqres,sowie an den gothischen Obermauern des Querschiffs erscheintder Steinverband als Musterwerk von glasirten Steinen geordnet,wovon Bl. VII. Fig. 1 u. 2. Beispiele geben. Sonst ist der ganzeAufsenbau mit Ausnahme der westlichen Portalfront und desNordgiebels in sehr einfachen Kunstformen durchgeführt. Vonder Construction des Innern läfst sich nichts Erhebliches mit-theilen, da dicker Kalkputz Wände und Decken bedeckt. Beiden Gewölben des Mittelschiffs ist zu bemerken, dafs ungeachtetihrer zweckmäfsigen hochbusigen Construction die Obermauern,deren Widerlagsstärke ca. g der Spannweite beträgt, im Jahre 1834so auseinander gedrängt waren, dafs nur durch starke eiserneAnker, welche in Kämpferhöhe quer durch die Mittelschiffsmauerngezogen worden sind, eine genügende Festigkeit wieder erzieltwerden konnte. Die hohe Lage des Chorfufsbodens über demdes Mittelschiffs erklärt sich aus der Rücksicht, dafs die Krypta dessumpfigen Terrains halber mit ihrer Sohle nicht tief in den ge-wachsenen Boden eingesenkt werden konnte, weil sonst hoheWasserstände dieselbe leicht unbenutzbar gemacht hätten.

Resultat.

Der Dom gewährt, wie kaum ein anderes Bauwerk der Mark,die belehrendsten Aufschlüsse über die verschiedenen Erschei-nungsformen des mittelalterlichen Backsteinbaues und ist deshalbhier einer eingehenden Analyse unterworfen worden.

Als Resultat der Untersuchung stellen sich die wichtigenBauabschnitte so zusammen:

1170 bis 1194. Romanischer Bau. Die Arkadenpfeilernebst Bogen, die westliche Innenwand, die Mauern des Quer-schiffs, der Krypta und des Chores (aber ohne den Polygon-schlufs) alles dies etwa 40 Fufs hoch erhalten, sodann dienördliche Seitenschiffsmauer 16 Fufs hoch erhalten.

1235. Uebergangsbau. Säulen und Gewölbe in der Krypta,die bunte Kapelle, die Ostseite des Kreuzganges.

Vor 1295. Die Nordseite des Kreuzganges.

Nach 1295 bis 1310. I. Gothischer Umbau. Chorpo-lygon und Strebepfeiler, Pfeilervorlagen in den Seitenschiffen,Erhöhung des romanischen Baues um ca. 20 Fufs an den Mauerndes Chores, des Querschiffs, der nördlichen Mittelschiffsmauer.

1377. II. Gothischer Bau. Die sämmtlichen Gewölbe 5die südliche Seiten- und Mittelschiffsmauer, der nördliche Kreuz-giebel, die westliche Aufsenwand und das Hauptportal.

Bis zu den ältesten Bauzeiten hinaufreichend ist dem Domejede Phase des älteren Backsteinbaues in characteristischer Eigen-thümlichkeit, aber stets in ernster, fast strenger Weise aufgeprägt.Man darf in dieser herben Einfachheit des Baues bis zu denletzten Zeiten hin eine Nachwirkung der strengen Prämonstra-tenser Ordensregeln ihres Stifters Norbert erkennen.

i V. Kapelle St. Jacob vor Brandenburg.

Historisches.

Diese vor dem Steinthore der Neustadt Brandenburg bele-

gene kleine Kapelle gehört zu dem Hospital gleichen Namens.

\ Die früheste fast alleinige Erwähnung, ist in Fincke, Programm

i vom J. 1749. S. 19. enthalten. Die daselbst mitgetheilte auf'S °

;j städtische Urkunden zurückweisende Notiz bezeugt, dafs im Jahre

: 1349 die St. Jacobs-Kapelle vorhanden gewesen ist und eine

Schenkung vom Magistrat empfangen hat.

j Baubeschreibung.

| Der Grundrifs in Bl. VIII. Fig. 10. zeigt einen oblongen Raum

I von sehr kleinen Abmessungen, dessen Ecken und Langwände! mit Strebepfeilern besetzt sind. Auf der Westseite Fig. 8. erhebt| sich das später hinzugefügte bis zur Spitze massive Glocken-:j thürmchen, während die Ostseite Fig. 7. einen schlank empor-steigenden, mit Blenden und einem Spitzbogenfenster sehr ein-fach geschmückten Giebel zeigt. Die früheren Kreuzgewölbe1 sind bei einem Restaurationsbau herausgenommen und durch eineI hölzerne bogenförmige Decke ersetzt worden. Von den beiden|j Eingängen auf der Nord- und Westseite ist nur der erstere noch; benutzbar, der letztere vermauert. An der Ostseite befindet sichi ein Relief in gebranntem Thone mit der Darstellung Jesu amKreuze von zwei Figuren, einer knieenden Frau und einem ste-henden Manne verehrt Fig. 9. Dasselbe ist aus zwei ziemlichstarken Thonplatten zusammengesetzt und zeigt bei handwerks-ji mäfsiger Technik dennoch eine tüchtige Characteristik. Das acht-, eckige Glockenthürmchen, welches später hinzugefügt ist, besitztim Grundrifs keine reguläre Polygonform, sondern ist nach demSchema eines Rechtecks mit abgeschnittenen Ecken aufgemauert.Um den alten westlichen Kapelleneingang zu erhalten, öffnet sichder Thurm nach aufsen in einer so hohen Spitzbogennische, dafs

die alte Thür und ein darüber liegendes,später restaurirtes Fenster unverdeckt blei-ben. Die zur Aufnahme von zwei kleinenGlocken bestimmte Glockenstube besitztsechs einfache und zwei doppelte Schall-löcher, deren einfache aber interessanteConstruction Fig. 2. 3. u. 11. detaillirt gege-ben ist. Eine achteckige massive Spitzemit dagegen gestellten dreieckigen Giebeln,w r elche den verschiedenen Thurmseiten ent-sprechend verschieden gegliedert sind, vol-' lendet den kleinen wohlerhaltenen Bau.

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lj Technisches.

Das Mauerwerk in wendischem Steinverbande ist sowohl bei;! den Langhauswänden, wie den Thurmmauern von guter Arbeit.:| Das Format der Steine beträgt: 11 Zoll, 5} und 3| Zoll.

Die spitzbogigen Blenden sind ohne Bogenformsteine undi mit einer Scheitelfuge statt des Schlufssteines gemauert. Der| Thurm ist für sich fundamentirt und erst später mit der Kirchei in einer einfachen aber wohlüberlegten und zweckmäfsigen Con-struction verbunden worden. Um Material zu sparen, hat mandenselben nämlich nur in der Hälfte seines Grundrisses unten; angelegt, dann 18 Fufs hoch ohne Verband frei vor der West-wand aufgemauert und in dieser Höhe durch doppelte, mehr undmehr hervortretende Auskragungen auf der Innenseite, Fig. 6.,zur beabsichtigten Grundrifsanlage gebracht und nach Herstel-lung der Glockenstube mit einer massiven 11 Zoll starken SpitzeI abgedeckt. Diese sparsame, und durchdachte Art des Thurm-baues, welche sich gut bewährt hat, dürfte für verwandte Zwecke,voraus gesetzt, dafs der Maafsstab des Bauwerks nicht zu grofsist, zu empfehlen sein. Eben so eigenthümlich ist der obereGrundrifs des Thurmes Fig. 11. gebildet, wo bei dem Wunsche| nach allen acht Seiten Schallöffnungen einrichten zu können, diei vier an den kurzen Rechtecksseiten belegenen Pfeiler zu schwach| geworden wären, wenn man nicht für eine entsprechende Ver-i Stärkung gesorgt hätte. Diese wurde dadurch bewirkt, dafs man