Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
371
Einzelbild herunterladen
 

371

der Fall war; gewöhnlich glich die Verschiedenheit sich ausund vermittelte sich durch vielseitige Beleuchtung, so daß siewechselseitige Achtung und Liebe gewann, Dieß ist nichtimmer der Fall, vielmehr oft das Gegentheil. Es ist einböses Ding, mit Streitsüchtigen, besonders über religiöseDinge, wo Jeder, auch der Unkundige und Unkirchliche,glaubt, dasselbe Recht und auch eine Stimme zu haben, zudisputiren. Leute dieser Art, die sogenannten Vornehmenam Wenigsten ausgenommen, behaupten oft, um consequentzu sein, widersinnige, mit allen Fundamcntal-Wahrheiten undGrundsätzen streitende Sachen und echaufsiren sich so, daßsie unangenehm werden, Durchgängig bleibt, wie in politi-schen, so noch mehr in theologischen Controversen, ein Stachelzurück, der nicht bloß in Ideen, sondern auch in Gesinnun-gen, eine Kluft macht und Menschen von Menschen entfernt.Das nckinm tfteolvAienm und die rafties UmolvAien,wodurch dem gelehrten und edlen Melanchthon das Lebenverbittert wurde, sind von allen Abneigungen die schlimmstenund heftigsten; in Folge dessen entstanden Inquisitionen undScheiterhausen, und wenn über dieselben unsere Zeit für im-mer den Stab gebrochen hat, so ist sie eine Protestationgegen alles Unsichtbare, was sich nicht mit den Händen grei-fen, messen, wiegen und berechnen läßt, und nur der Glaubein sich aufnehmen kann, bei Vielen geworden. Das höhereGeistige verschlingt der Materialismus; und dennoch lebt derMensch nicht allein vom täglichen Brode. Wer aber durchdie Wahrheit noch nicht frei geworden, ist auch immer nochvon seiner Persönlichkeit gebunden; und diese tritt rechthabe-risch beim Disputiren hervor, und jene zurück. Belm Kö-nige war es anders, die Wahrheit galt Ihm über Alles, unddie biblische als ein Maßstab, an den Er jede Behauptung

24*