Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
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Hier deliberirt, handelt und beschließt die Kirche selbst; weß-halb Schleiermacher auch sür eine Einrichtung ist, bei wel-cher der Landesherr nur das Veto hat." „Sind Sie wiederda mit Ihrer Prcsbytcrial- und Synodal-Ordnung? Sie ha-ben darin einen Narren gefressen. (Er lächelte gutmüthig,indem Er diese Worte sagte.) Von der Tilse an bis zurWeser gilt aber die Königliche Consistorial-Ordnung, und ichbin sehr bedenklich, mir nichts, dir nichts, dieselbe aufzuheben.Auch in den eben von Ihnen genannten Ländern ist, wie inder lutherischen, so in der resormirten Kirche, die Liturgievom Landesherrn ausgegangen." Ich wollte darein reden,Er aber sagte, stark betonend: „Unterbrechen Sie mich nicht!"und fuhr fort: „Aber einmal angenommen, die Kirche solltedie Liturgie und Agende, bei der Nothwendigkeit der kirch-lichen Ordnung, selbst machen: wird sie damit zu Standekommen? Bis jetzt hat sie es nicht gekonnt; es cxistirenim bunten Gemisch eine Anzahl neuer Agenden ; die eine hatdie andere verdrängt, und keine hat festen Fuß gewinnen,dauernden Eingang finden und sich behaupten können. DieWillkür des Wechsels ist eingetreten; die alten Prediger ha-ben darin anders gedacht, als die jungen; dadurch sind dieLeute confus geworden und wissen nicht mehr, woran siesind. Wir haben es gesehen bei der gutgemeinten An- undUmfrage der Geistlichen, wo Jeder seine Meinung abgab.Welch ein Quodlibet ist da zum Vorschein gekommen! Sagtnicht der Lateiner: (juot oapita, tot «eirsus, So viel Köpfe,so viel Sinne? der Eine ist, — wie Sie die Herren inReih und Glied gestellt haben, — ein Rationalist, der An-dere ein Supranaturalist, der Dritte schwankt zwischen Bei-den, dingt, mäkelt, und capitulirt; der Vierte ist ein Mysti-ker, der Fünfte ein, ein, ich weiß viel, was sür Einer!