Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
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schien. Im Publicum, besonders dem kirchlichen, war dieMeinung: die Liturgie und Agende sei nur das Machwerkeiniger sogenannten Hostheologcn, und man benutzte gern dieGelegenheit, sich über sie, die nicht sonderlich beliebt, und ihrvermeintes Attentat auszusprechen; man hatte keine Ahnungdavon, daß diese Sache vom Landesherr« selbst herrühre,vielmehr glaubte man, daß Er um sie, als eine fremdartige,sich nicht bekümmere, und nach Widersprüchen, die sie gefun-den, sie auch würde wieder fallen lassen.

Darin aber hatte man sich sehr geirrt: vielmehr hieltdiese Angelegenheit, deren Nothwendigkcit nun noch mehreinleuchtete, um so fester der König. Die Beleuchtung der-selben und ihren Tadel benutzte Er mit großer selbstständigerRuhe dazu, die Liturgie und Agende immer mehr zu verbes-sern und an ' ihr zu feilen. Nachdem Er die letzte Handdaran gelegt, ließ Er sie drucken, und hier und da, wo mansich für sie erklärt, einführen und gebrauchen. An alle Ge-meinden, in welchen dicß der Fall war, schenkte Er nichtnur ein sauber eingebundenes Exemplar, Er schrieb auchEigenhändig hinein nicht nur Seinen Namen, sondern auchden ganzen Segenswunsch. Man lief zusammen, und Jederwollte gern lesen, was der Landesherr selbst geschrieben.Wie ein Hciligthum lag nun neben der Bibel auf dem Altareiner solchen Kirche auch die Agende. Dadurch wurde das va-terländische Publicum ausmerksam, und nun sah es zuerst mitErstaunen und Verwunderung, daß der König in Allerhöchsteigener Person sich für eine Sache warm interessirte, dieman bis dahin wenig beachtet und für einen leeren theologi-schen Ministeriell-Streit gehalten hatte. Aufmerksamer aberwurden alle Prediger im Lande, als darauf eine Schrift er-III. . 23