332
es wieder fallen ließ. Was Er als gut erkannt hatte undeinmal wollte, setzte Er auch durch. Er sprang nicht übervon Einem zum Anderen, das Erste über dem Zweiten undDritten vergessend; es lag Stetigkeit und Ausdauer in Sei-nem Wesen. Nichts, wenigstens keine Sache von Wichtig-keit, verdarb Er durch Präcipitirenz es war Ihm stillesNachdenken und sorgfältiges Ueberlegen eigen. Wo Er nichthandeln konnte, wollte Er es auch nicht, und hatte die Uebcr-zeugung, daß es in vielen Fällen am Besten sei, nichts zuthun. Er vAstand die wichtige und schwere Kunst, zu war-ten bis dahin, wo der gelegene und reife Zeitpunkt eingetre-ten. Wenn Er offensiv passiv zu sein schien, war Er inten-siv sehr thätig; aber Seine Thätigkeit war dann ein stillesverborgenes Brüten, in welchem Er die Sache hin und hersich zurecht legte. In solchen Stücken war Er sehr ver-schlossen, und man merkte nichts Gcheimnißvollcs an Ihm,da Er dabei heiter und unbefangen war. Nur Einem, aufdessen Verstand und Herz Er sich verlassen konnte, offenbarteEr sich. Oft lagen die wichtigsten Sachen nahe, und meh-rere einsichtsvolle Männer Seiner Umgebung theiltcn Ihmihre Gedanken und Pläne mit. Er hörte aufmerksam zu,aber Er ging nicht darauf ein, und antwortete kurz, wie imVorbeigehen von anderen gleichgültigen Dingen redend, so,daß Viele Ihn für unfähig, bornirt und indolent hielten;nie hat man auch öffentlich nachtheiliger über Ihn geurtheiltund Ihn mehr mit Hohn und Schmach bedeckt, als in denJahren 18W— 1813, und nie war Er mit dem unsterblichenScharnhorst, Gneisenau und Stein im Stillen thätiger undwirksamer, eine bessere Zeit einzuleiten, als in eben dieserunglücklichen Periode. So kann der äußere Schein trügen!König Friedrich Wilhelm III. war unendlich mehr, als Er