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denden Spielraum hat. Die Vernunft verliert da leichtihren Einfluß, und ihre urthcilende, leitende Stimme wirdbald überhört. In ihre Stelle tritt dann, besonders bei reiz-baren, gefühlvollen, lebendigen Gemüthcrn, ein eigener Zu-stand des Helldunkels, wo schnell die Bilder in der Seelewechseln, die Empfindungen sich drängen, die Vorstellungenschweben, und die Rührungen sich ergießen. Und je dunkler,je unbestimmter, je unaussprechlicher diese Gefühle und Rüh-rungen sind, einen desto größeren Werth pflegen die, welchesie durch sinnliche Anschauungen reizen, wecken und nähren,ihnen beizulegen, und die, welche sie nicht haben, zu verach-ten. Ein großer Theil unserer Zeitgenossen, unserer Schrift-steller und Lehrer, neigt sich jetzt zu dieser Ansicht, zu diesemSpiel mit Gefühlen hin, und geht so, der kalten, herzlosen,das Gemüth austrocknenden Aufklärung müde, leider! weiles so schwer ist, den rechten Mittelweg zu halten, und Lichtund Wärme miteinander zu verbinden, zum Entgegengesetztenüber. Davor muß ich euch warnen; denn dieser Abweg ist eingefährlicher, und zwar darum so gefährlich, weil man, be-rauscht von Gefühlen, ihn für den rechten hält — und dannerst von seinen Träumen erwacht, wenn es zu spät ist. Unsist als Christen, uns ist besonders als protestantischen Christendas Gesetz gegeben: Alles zu prüfen und das Gute zubehalten.*) Unser Gottesdienst soll, nach der apo-stolischen Vorschrift, ein vernünftiger sein, **) und wirmüssen überall und gegen Jedermann den Grund derHoffnung angeben können, die in uns ist.***) Alszu den Verständigen rede ich; richtet selbst, wasich sage." s)
*) 1 Thess.S, 21. ") Rom. 12,1. "") I Petri3, IS. f) l Cor. 10, IS.