323
bald durch das Zauberspicl der Farben in Gemälden, balddurch den Grabstichel und Meißel, der lodtc Körper, Holzund Marmor und Metall, gleichsam mit dem Hauche desLebens beseelt, bald durch die empsindungsvollen Töne einerentzückenden Harmonie, aus das Höhere und Uebersinnlichcim Menschen zu wirken, und in diesen wunderbaren Erschei-nungen und Anklängen bildlich — sprechend — hallend —das Ewige und Göttliche, das er in sich trägt, auszu-sprechen."
„Schon in den ältesten und frühesten Zeiten regte sichdieses Bcdürsniß; ihm gehorsam, schmückte man öffentlichePlätze mit Denkmälern, zum ermunternden Andenken großerThaten und unsterblicher Männerz ihm folgend, umgab mansich mit den weckenden Bildern vollendeter Vorfahren, undedler, geliebter Personen; ihm treu, schmückte man das Le-ben, das so viele scharfe, schneidende und bittere Seiten hat,um es zu versüßen, mit schönen Formen; und wie arm undfinster, wie ein dürres Gerippe würde das Leben werden,wenn wir von uns thun wollten, wenn wir entbehren müß-ten, was die schöne Kunst ihm Mildes und Freundliches,Sinnvolles und Heiteres verliehen hat. Bleibt die Kunstihres Ursprungs, ihrer Quelle, ihrer Würde sich bewußt; istsie eine treue Dicncrinn der Religion, holt sie von ihremAltar das Feuer ihrer Begeisterung: dann ist sie ein kräfti-ges und herrliches Mittel zur Belebung eines religiösen Sin-nes. Wer hat ihre geheimen, wunderbaren Zauber nicht em-pfunden, wenn er im ehrerbietigen und frommen Anschauenvor dem gelungenen Bilde des Erlösers stand? Wem hatsie nicht ahnungsvoll und selig die Brust gehoben, wenn der
2>»
-