Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

Z!2

die Ihrige hat den Fehler. Die sonn- und festtägliche Li-turgie ist zwar biblisch und habe ich in dieser Beziehung siegern gelesen ; aber Vielen wird die Auswahl der Stellen derheiligen Schrift auch nicht recht sein, und sie werden anderevorschlagen: sie ist nicht kirchlich. Doch darüber ließe sichnoch reden. Aber die anderen Formulare, die Sie für eineAgende in Vorschlag bringen, sind ein Sammelsurium, einwahrer Cento, der aus hundert anderen zusammengesetzt ist,und wo die allerdings schönen Stellen aus der Bremen'schensich seltsam ausnehmen; die ganze Arbeit ist im ersten Zu-schnitt verdorben. Nein, nein, das geht nicht, wir müssen,soll etwas aus der Sache werden, auf Vater Luther re-currircn."

Wohl erkannte ich, obgleich vergeblich gearbeitet war,daß der König in der Hauptsache Recht hatte; und als ichvon dem tobten Buchstaben der Bibel und ihrem lebendigenGeist redete, antwortete Er:Wenn irgend Einer den Geistder heiligen Schrift und der auf ihr gebauten evangelischenKirche verstanden, so ist es doch wohl Luther gewesen; seineDollmetschung ist noch immer die beste. Aber das WortEhristi ist eine schöne Redensart geworden, wohinter sich oftJndissercntismus und Divergenz versteckt. Hat man nichtLeute gehabt, die Latudinaricr hießen? ihnen gegenüber mußman ein Rigorist sein." *)

Im Jahre I8IK erschien bei Dieterici zu Berlin eineLiturgie für die Hof- und Garnison-Gemeinde zu

') Aus meinem Tagcbuche; des Hochseligcn Herr» eigene Worte.