Einige Wochen nachher ließ der König mich zu sich ru-fen, und sagte: „Sie können wohl eine sonn- und festtäglicheLiturgie und Agende schreiben!" Ich erschrak und sagte:„Das ist ein schweres Werk." „Weiß wohl; eben darumtrage ich's Ihnen auf." „Es geht aber über meine Kräfte;dazu wird eine Einsicht der Erkenntniß, eine Energie undklare Kürze der Schreibart erfordert, die ich nicht habe."„Wird schon gehen, geben Sie sich nur daran und bleibendabei." Nochmal bat ich, einem Tüchtigeren das schwereGeschäft aufzugeben : der König aber blieb bei Seinem An-sinnen, und ungern bewilligte Er die erbetene Frist von einemJahre. So oft Er mich sah fragte Er, oft leise, wennAndere zugegen waren: „Bald fertig?"
Gottlob! ich war gesund und konnte bei anderen vielenAmtsgeschäften es aushalten, den größten Theil stiller Nächtebei dieser Arbeit zuzubringen. Das schwere Gewicht einessolchen Werkes fühlte ich, und von ihm durchdrungen prüfte,verwarf und wählte ich. Um den kirchlichen Styl zu treffenund christlich die Gedanken zu ordnen, setzte ich zu sonn-und festtäglichen Altargebcten die dahin gehörigen Bibelstellcnzusammen und ordnete sie logisch. Es kam dadurch eineSalbung, eine Andacht, eine Erhebung und Zuversicht insolchen Erguß, daß Jeder, auch der gemeine Mann, mitbc-ten konnte. Ich war in der Auswahl auserwählter biblischerKraftstcllen um so sorgfältiger und genauer, da ich wußte,daß nicht allein für die Armee, sondern für das ganze Volkin den Städten und auf dem Lande ein und dieselbe Liturgiegegeben werden sollte. Weit davon entfernt, zu meinen, daßmeine Arbeit, deren Mängel und Unvollkommenhciten ich er-kannte und fühlte, dazu würde ausgewählt werden, standIII. 2»