Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302

Auf diesem Grunde ist auch fortgebaut; aber auch nebendemselben. Die katholische Kirche hat, als sie eine Römischewurde, einen Pabst erhielt, und mit ihm das Princip derHierarchie in sich aufnahm, viele heterogenen Zusätze gemacht.Ganz unverkennbar ist der pomphaste Cultus der heidnischenKirche in den einfachen der christlichen gekommen, dieselbe istdadurch verweltlicht und das Mittel zum Zweck geworden.Den Culminationspunkt des Verderbens und der phantasie-reichen Verweltlichung hatte, vorzuglich vom neunten Jahr-hundert an, im Ikten die Römische Kirche erreicht. Manerkannte in ihrer irdischen Herrschaft, in dem Gewebe ihresKirchenregiments, in ihren künstlich componirten Feierlichkei-ten, in ihrer Unduldsamkeit und Vcrfolgungssucht, in ihrerdespotischen Macht, welche sie über den ganzen Erdkreis übte,die einfache, liebende Religion Jesu nicht wieder, so warsie entstellt und verunstaltet. Der geistreiche, kräftige Lutherreinigte sie von allen menschlichen Zusätzen und führte sie zuihrer ursprünglichen Lauterkeit zurück. Das Erste, was ermit seinen Gchülfen that, war, der neuen, im Grunde aberalten apostolischen Kirche, und Allen, die sich zu ihr bekann-ten und bekennen würden, außer einem Lehrbuche (Katechis-mus) eine Form der öffentlichen Verehrung, das heißt eineLiturgie, zu geben. Die aus seinem großen, wahrhaftigenund frommen Herzen geflossenen Ansprachen und Gebete, dieim Ikten und I7tcn Jahrhundert feierliche Worte der Kirche(solemnin ver-Im «zevlesins) geworden und geltend waren,waren im I8ten in Deutschland, anfangs großen Theils, nach-her ganz außer Eours gekommen und bei Seite gelegt. Stattdes kirchlichen Gesetzes der Agende, das heißt alles dessen,was in der Gemeinde bei heiligen Amtshandlungen vcrhan-