Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
294
Einzelbild herunterladen
 

294

bis auf Kant, Hegel und Schölling, ihre Lehrgebäude aufschwankendem Grunde standen, und der Wechsel des Auf-bauens und Nicdcrrcißens machte Ihn mißtrauisch. DieWahrheit und Tugend waren Ihm Eins; und da auch derEinsichtsvollste nicht sagt und sagen darf:Ich irre in kei-nem Stücke"; auch der Reinste und Beste von sich nichtbehaupten kann:Ich bin ohne Fehler und Sünde", so hieltEr alle Menschenweisheit für mangelhaft und unzuverlässig.Und doch lag, wie in jedem Gemüthe, so in dem Seinigen,das Verlangen nach etwas Vollkommenem und Gewissem.Er wollte Gott gegenüber das Höchste haben, über welchessich nicht hinausgehen lasse; nur darin könne Er Ruhe fin-den für Seine Seele. Auf diesen Punkt gekommen, *) thcilsdurch Nachdenken, mehr aber noch durch Seine merkwürdi-gen Schicksale, wandte Er sich zu der Autorität des bibli-schen Christcnthums, und Er wurde aus Ueberzeugung einOffenbarungsgläubigcr. Er wurde es immer mehr im Fort-schritte Seines Lebens, je mehr Er sich in dem Grundsatz:Wer den Willen meines Vaters thut, der wird inne wer-den, daß meine Lehre von Gott sei", hincinlebte. Ein gött-liches inneres Leben war Ihm aufgegangen, und in seinemLichte schreckten Ihn nicht mehr die dunkeln Seiten deshistorischen Christenthums, da bei allen Fortschritten der Phy-sik in der umgebenden ausgebreiteten Natur auf jedemSchritte Geheimnisse mit ihren verborgenen Kräften offendaliegen, deren Erscheinung der menschliche Verstand sieht,

*) Nach den eigenen mündlichen Mitthcilungen des HochseligenKönigs. Das hier Gesagte enthält Seine eigenen Worte, dieich gleich, nachdem ich sie vernommen, niederschrieb.