Er doch verschlossen, so daß Viele, auch die, welche Ihn oftsahen, aus Ihm nicht klug wurden, und nicht wußten, wassie an Ihm hatten.
Aus dieser Festigkeit und Harmonie ging Seine Reli-giosität hervor, und diese erzeugte jene. Zwar wäre Er sestund consequent gewesen auch ohne Religion; aber diese unddie Art, wie Er sie auffaßte, machte Ihn in allen Dingennoch gewisser, milder und ruhiger. Seine Frömmigkeit warIhm nicht ein isolirt dastehender todter, sondern ein lebendi-ger Glaube. Derselbe ging in Klarheit und Wärme indas Gewebe Seiner Ueberzeugung über, und wurde im Fort-schritte Seines vielgeprüften Lebens auf Gewissenhaftigkeitgegründete ächte Gottesfurcht. Ein gutes, ruhiges Gewissennannte Er: „den besten Freund des Menschen."
Mit der Zunahme der Jahre, in welchen viele traurigenund auch frohen Erfahrungen wechselten, wurde Er immerchristlich-positiver. Er hatte selbst lange geschwankt, undviele Schwankenden, selbst Solche, die Ihm nahe standen,kennen gelernt und durchschaut. Er kannte die Leerheit undArmseligkeit der Ungewißheit und Unentschicdenhcit in derheiligsten Angelegenheit. Er sehnte sich nach Gewißheit undFestigkeit. Er suchte sie, und fand sie nicht. Die Vernunftschätzte Er über Alles, und Er wurde inne, daß durch sieder Mensch seine Würde erhalte und behaupte. Aber Ererkannte, daß sie das Höchste in nbstrnew, doch nur teil-weise in eonereto sei. Bei den ersten und tiefsten Den-kern aller Zeiten fand Er sie im Widerspruche mit sich selbst.Er liebte zwar die Philosophie, als Wissenschaft, nicht, undhatte keine Neigung und Zeit, sie zu studircn; aber so vielwußte Er doch von ihr, daß, von Plato und Socrates an,