Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

ehrwürdigen Priester Gottes bist du begnadigt. Dir sinddeine Sünden vergeben; sündige hinfort nicht mehr. Profos,binde ihn los!" Gegen die Geistlichen lüftete er seinen Fe-derhut, bestieg seinen stolzen Schimmel und sprengte, vonseinen Adjutanten umgeben, davon. Die umherstehende Volksmasse rief ihm ein lautes frohes Vivat nach, und der abge-führte, mit Jubel begleitete Hatziuger wurde reichlich von allenZuströmenden beschenkt. Späterhin, wie er sich gar nichtfügen wollte, wurde er nach Wesel zum Regiment vonGaudy geschickt, wo er starb. Er sah seine Hcimath,wohin sein Herz in Sehnsucht stand, nicht wieder; nichtwieder seine geliebte Braut Emilp. Ach! wie manchesHerz mag in dieser Zeit der Stockschläge und Spicßruthengebrochen sein. Stille Gräber, was deckt ihr nicht Alles zu!

Solche Gedanken waren aber nicht zeitgemäß und ka-men am Wenigsten dem General von Wolfersdorfs in denSinn. Sie konnten es auch nach seiner Ueberzcugung nicht.Allen seinen Begriffen und Urthcilen, allen seinen Beschlüssenund Handlungen legte er nur einen Maßstab zum Grunde,und dieser war ausschließend von der weltberühmten Größedes Königs Friedrichs II. hergenommen. Wenig Menschenmachen aber ein gescheutes Gesicht, wenn sie in die Sonne

*) Der General-Lieutenant von Gaudy, ebenfalls aus der SchuleFriedrichs des Große», war ein einsichtsvoller Mann und ge-waltiger Exercicrmcister, Das Herzogthum Cleve war damals(ein großer Vorzug) cantonfrei. Als von Gaudy dieß beschrän-ken wollte, und zu dem Ende in Cleve war, wo er im präch-tigen Sessionszimmcr der Königlichen Regierung neben demThrone des Königs saß, fiel er mitten im Reden, vom Schlagegetroffen, von seinem Sessel todt zur Erde nieder.