Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

Hävely wohl unterrichtet, waren ihm die Bibel, der Ka-techismus und das Gesangbuch heilig, auch kannte er Tob-lcr's Erbauungsschriften. Mein Vater, der gern mit Leutensolcher Art sprach, hatte ihn liebgewonnen, und wenn ermitunter, als Geselle des Zimmermeisters Kipping, an unse-rem Hause arbeitete, mußten nach dem Willen der Mutterwir Kinder dem Schweizer Butterbrod und eine KanneKeuth *) bringen. Wir thaten das gern, denn der freund-liche, gutmüthige Ulrich wußte angenehm in seinem Schwei-zer-Dialekt von seinem schönen Vaterlandc, von hohen Ber-gen und Gemsen, Thälcrn und Kühen und ihrem Geläute,zu erzählen, und wenn er von Emilp sprach, standen ihmThränen in den Augen. Als er nun als ein Verbrecher,schwer mit Ketten belastet, im Kerker saß, und zu Tode ge-peitscht werden sollte, und nach dem Spruche des Kriegs-gerichts noch acht Tage, um auf sein Ende sich vorzubereiten,ihm vergönnt waren, besuchte mein Vater auf sein Verlan-gen ihn täglich, so lange er noch lebte. Er kam in diemilde Stimmung einer christlichen Ergebung und bereitetesich mit männlicher Fassung auf seinen Tod vor. Er beteteviel, oft aus dem Herzen; jedesmal gedachte er dankbar sei-ner alten Eltcriz,, seiner Geschwister und seiner lieben BrautEmily. Tages vor der Exemtion empfing er mit Andachtund Dcmuth das heilige Abendmahl; er bereuete aufrichtigalle Sünden, die er je in seinem Leben mit Gedanken,Worten und Werken begangen, aber er war nicht dahin zubringen, seine Desertionen zu bereuen, da er steif und festbehauptete, wohl daran gethan zu haben, indem er überlistet,

') Das dortige Weißbier.