Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
20
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wurde ihm eine bleierne Kugel gelegt, damit er an ihr denSchmerz verbeißen und die Zunge nicht abbeißen möchte.Der Regiments-Auditcur las laut, so daß Alle es hörenkonnten, das Urtheil des Kriegsgerichts, das begangene Ver-brechen und die verdiente Strafe, vor. So stand der Sträf-ling da, gebunden an Händen und Füßen. Er blickte indie enge Gasse, durch die er mußte, auf und ab, und abund auf. In den Händen seiner Kameraden erblickte er dielangen Ruthen, mit welchen er gepeitscht werden sollte; undsein Blick war, je nachdem sein Temperament, bald weh-müthig, bald zornig, gewöhnlich aber wild. Dann trat einUnterossicier vor ihn, mit vorgehaltenem Sponton, damit derGehauene nicht zu rasch gehe, und damit er nicht zu langsamschreite und auf der Bahn bleibe, gingen noch zwei Unter-offiziere mit eben solchen Spießen hinter ihm, und so wieJener ab- und zurückhielt, so stießen und stachelten diese.Auf Commando: scharf und kräftig aufzuhauen, wirbelte dieleiser und lauter tönende Trommel; der Vcrurtheilte tratseinen Schmcrzensgang an, und sein Rufen um Erbarmenübertönte die Trommel, wenn die peitschenden Ruthen um-schlugen und sich an den Haaren auf der nackten Brust soverwickelten, daß sie Stücke Fleisch mit herausrissen. DerCommandeur des Regiments aber ritt auf und ab hinter derGasse und rief in das Wirbeln und Brüllen hinein:Willder Kerl wohl besser hauen! Wart!" Oder:So ist es recht!"Der General von Wolfersdorfs, zwar ein jähzorniger undaus militairischem Princip, wie es damals war, sehr strcnger, aber von Natur doch gutmüthiger Mann, konnte solcheQual nicht mit ansehen; gewöhnlich entfernte er sich, undging mit seinem Adjutanten an einer abliegenden Stelle desParadcplatzes auf und ab, mit der goldenen Dose, die er