Druckschrift 
3,1 (1846)
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

Herz mit schmerzvollem Unwillen. *) In Wahrheit, die Artund Weise, wie dabei verfahren wurde, hatte etwas Schau-derhaftes und das ganze Acußere derselben eine schreckendeGestalt. Nach abgehaltener Parade stellte sich das ganzeRegiment, das Gewehr beim Fuß im linken Arm, Mannbei Mann, mit dazwischen stehenden Ofsicieren, Feldwebelnund Unterossiciercn, in eine enge, lange Gasse. Durch die-selbe, vom Anfange bis zum Ende, ging vorweg in einerhechtgrauen Uniform, mit grünen Klappen und Kragen, derProfos des Regiments, ein stämmiger, kleiner, infamer Kerlmit einem boshaften Gesicht. Um den Leib hatte er einendicken Bund geknüpft; aus demselben zog er in Salzgetränkte lange Ruthen von Birken und Haselstaudcn undgab jedem in der Gasse stehenden Soldaten eine, oft zwei,bis er sein Werk mit den gewöhnlichen Worten:Die Ru-then sind fest und gut" vollendet. Am Anfange und Ein-gange der Gasse stand der Delinquent mit fest gebundenen,empor stehenden Händen; seine Füße waren mit Ketten undeisernen Bändern so gefesselt und zusammengeschnürt, daß erzwar gehen, aber langsam nur im kurzen Schritt gehenkonnte. Der nur übergeworfene Rock, oder Wach-Mantel,wurde ihm abgenommen, das Hemd herabgelassen und anden Beinkleidern befestigt, so daß ihm Brust und Rückengänzlich bloß waren. In den Mund zwischen die Zähne

') Ich erinnere mich aus meiner Jugend sehr gut, daß so oftein zu den Spießruthcn vcrurtheilter Soldat, geschlossen inKetten, mit übcrgchangencm Rocke, von der Wache dem elter-lichen Hause vorbeigeführt wurde, meiner frommen Mutter dieThronen in die Augen traten und sie dann sagte-Der armeMensch! wer weiß, wie er dazu gekommen."