5
Stadt, einen scharfen Trab durch die Straßen, und fuhrmit 4, oft mit 6 stolzen, reich geschmückten Schimmeln.Er mar ein Freund der martialischen Musik, und nach auf-gehobener Tafel, wenn er erst durch die Stadt nach seinemOstholz fuhr, hatte er das Hautboisten-Chor auf einem langen,sogenannten Wurstwagen, auf Blaseinstrumenten munter spie-lend, in seinem Gefolge. Straßen, Fluren und Gärtenhallten wieder vom Dessauer Marsch; Alles lief hin, undsah zu; Alles grüßte ehrerbietig, als wenn der König selbstvorüber gefahren wäre; war der General, der mächtige Herr,doch sein Stellvertreter!
Von diesem Glanz umgeben, von solcher kräftigen Ei-genthümlichkeit beseelt, mit fast unbeschränkter Macht ange-than, gehalten und gehoben von der Gnade und dem Ver-trauen des großen, vergötterten Königs, denke man sich dengewaltigen Mann in dem kleinen, stillen Städtchen Hamm,und das Bild seines Lebens tritt in diesen Farben von selbstin seiner Licht- und Schattenseitc hervor. —
Sein Regiment hielt er in musterhafter, geregelter Ord-nung; aber diese Ordnung athmete nicht die Heiterkeit derPflicht und Liebe, sondern das Finstere der Strenge undGewalt. Alles zitterte vor ihm und sah ihn an mit scheuen,mißtrauischen Blicken. Von Wohlwollen war keine Spur,Zwang und ihre Dressur durchlief alle Glieder, und Haßund Widerwille durchkältete das Ganze. Eingeübter, tact-mäßiger Mechanismus hielt es zusammen, so daß wennAlles versammelt in Reihe und Glied dastand, es prächtigund imponircnd aussah. Man glaubte, so müßte es und eskönnte nicht anders sein. Bei der damaligen ganzen Vcr--sassung und ihrer festen Regel war Alles vortrefflich und