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Längere Zeit hernach gelang eS der Prinzessin den Ring vom Fin-ger zu nehmen, sie betrachtete ihn genauer, halbverwischte Buchstabenwaren in der inneren Rundung gravirt, mit vieler Mühe entziffert siedie Worte: „Kaiserin von Rußland."
Abermals verfließen viele Tage; eine Verbindung zwischen ihr unddem Großfürsten Nikolaus wird projectirt. Dieser Bruder des KaisersAlexander, der damals noch nicht Thronerbe war, macht eine Reisenach Berlin, um die Prinzessin kennen zu lernen, und waS bis dahinnur eine Idee war, wird nach ihrem Anblick zum festen Entschluß.
Bei Tafel neben ihr sitzend, sprach er von seiner baldigen Abreise.„Und doch stände eS nur bei Ihnen, Prinzessin, daß ich hier bliebe,"sagte der erlauchte Reisende.
„Bei mir? und was muß ich dazu thun?" fragte lächelnd PrinzessinCharlotte.
„Meine Huldigung nicht verschmähen!"
„Weiter nichts?"
„Und mir Muth geben Ihnen zu gefallen."
„Das ist schon schwerer. Der Augenblick ist auch übel gewählt; beiTische und öffentlich über so etwas zu sprechen. . . "
„Wir brauchen gar nicht zu sprechen!"
„Ah?"
„Geben Sie mir ein Zeichen, ein Pfand. Diesen kleinen Ring dermich glücklich machen würde. Wollen Sie mir ihn geben?"
„Wie, hier vor aller Welt?"
Niemand wird es bemerken. Drücken Sie den Ring in ein Stück-chen Brod und lassen Sie dieß dann auf dem Tische, ich werde dannden Talisman unbemerkt nehmen."
„Es ist aber auch in der That ein Talisman."
„Ich ahnte eS."