Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
369
Einzelbild herunterladen
 

369

solches durch Feinheit des Tuches und die großen und brei-ten Schößen einen gewissen Wohlstand, aber nichts Ge-suchtes; man müßte dann die stark massiv silbernen Knöpfe,die häufig auf Rock und Weste getragen wurden, dafüransehen wollen. Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daßwenn diese Trachten kostspieliger erscheinen als das jetzigeKostüm des Bütgerstandes bei Männern und Frauen,dies oft ein von Eltern und Großeltern ererbter Schmuckwar, den man seinen Kindern und Kindcskindcrn nochnachlassen konnte i).

Die Einführung französischer Sitten und Moden amHofe, und das Beispiel des Aufwandes welches dort ge-geben wurde, der Besuch so vieler Fremden aus den gebil-desten Gegenden Europa's, der durch die blühenden Fort-schritte der Manufakturen und Fabriken hervorgebrachteWohlstand, alles dies wirkte allmählig auf die übrigenStände und brachte mehr Aufwand, nicht allein in der Klei-dung, sondern auch in der ganzen Lebensweise, hervor.Man sähe schon mehr als früher auf bequemere und weit-läuftigcre Wohnungen, auf geschmackvollere Mcubles, aufköstlichere Speisen und Weine, die ehedem nur auf die Ta-feln reicher Schwelger gekommen waren 2).

Die Liebe des Königs für Musik hatte diese Kunst inBerlin in sichtbare Aufnahme gebracht, und wir habenschon von einigen musikübenden Gesellschaften gesprochen,die sich hier in der Mitte des 18tcn Jahrhunderts gebildethatten. Im I. 1770 entstand das wöchentliche Konzertfür Müsiklicbhaber von Benda und Bachmann, vom Okto-ber bis Mai, im damaligen Korsikaschen Saale, an: Zeug-haufe No. 1 3), und im I. 1776 ein ähnliches Konzert

1) König, Th. V. Abth. 2. S. 327 u. ff.

2) König, Th. V. Abth. 2. S. 302 u. ff.

3) Das andere General v. Lingcrsche Haus, No.2 gehörte später-hin dein General der Artillerie Moller, welcher der Gasse zwischen demZeug - und Gicßhause, die zur Zeit wo die Hauptbrennholz-Admini-

Aa