Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

327

Ebcrswalde (7 Meilen von Berlin) gegründete Kolonie vonMesserschmieden, ans Ruhla im Voigtlande, war von sogroßem Erfolge, daß im I. 1746, dem vorherrschendenPrinzip des Königs gemäß, alles im Lande zu fabriziren,um die Ausfuhr des baaren Geldes zu verhindern, diefremden Eisen- und Stahlwaaren verboten werden konnten.Zwei Sammetmanufakturcn, die eine in Berlin vom Kauf-mann Gottkowski), die andere in Potsdam vom JudenHirsch, befriedigten das Bedürfniß von Sammet und seidenenVclpers so vollkommen, daß auch die Einfuhr dieser Arti-kel untersagt wurde. Im 1.1751 ertheilte der König demBankier David Splittgerber, der schon unter der vorigenRegierung eine Gewehrfabrik theils auf dem Plane beiSpandow und theils in Potsdam errichtet hatte, das Pri-vilegium eine Zuckersiedcrci, in der Wallsrraße No. 55, an-zulegen, und da der auswärtige Zucker gleichzeitig mit ei-nem Jmpost von 12 Prozent belegt wurde, so kam dieseFabrik in kurzer Zeit so in Flor, daß Splitrgerber noch,zwei andere Raffinerien in der Stralaucrvorsiadt einrich-tete i). Besonders erfuhren die Manufakturen in seidenenWaarcn die königl. Unterstützung. Es ward nicht nur inder Umgegend von Berlin und im ganzen Lande jahrlicheine ansehnliche Menge Seide gewonnen, und diescrhalbPlantagen von Maulbeerbäumen angelegt, sondern der Kö-nig sorgte auch dafür, daß die Manufakturisicn mit allenSortimenten ausländischer Seide versehen wurden. Zu die-sem BeHufe ward hier ein Scidcnmagazin errichtet und da-zu ein ansehnlicher Fond bestimmt. Die Fabrikenuntcrnchmcrbekamen Schenkungen, Geldvorschüsse, Bonifikationen aufhier verfertigte und außerhalb Landes versandte Waarcn,und die Hauptmanufakturisten Baron, Gebrüder Michclet,

1) Fr. Buchholz, Berlin und Potsdam unter Friedrich It., alsFortsetzung des Werks vom Prof. Wilken, im historisch-genealog..Reuender. 1825. S. 221 u. ff.