Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120

sogenannte Rctzcngassc, die zwar nur im 17tcn Jahr-hundert von dem dort wohnenden Stadtkämmcrer Reetzihren Namen erhalten hat, und die von den darin woh-nenden Nagelschmicden benannte Nagclgassc zur Jüden-straßc; die Berchcms- Kalanders- und heil. Gcistgassc zurheil. Gcisisiraste i); ^tzt eingegangene Gasse, wo dasHaus No. 66. steht zum neuen Markt, und die Heide-rcutcrgasse zur Rosen st raste am neuen Markte; sie wa-ren aber sämmtlich schlecht angcbauct, so wie im Allgemei-nen die Mehrzahl der Gebäude in Berlin noch aus Giebel-häusern, mit Schindeln oder Stroh gedeckt und mit höl-zernen auch lchmcrncn Schornsteinen bestand. Die Heidc-rcutcrgassc hicst ehedem die Bödel oder Büttclgasse,weil dort die Scharfrichtern war, che der Aufseherder Magisiratshcidc oder Heidercutcr seine Amtswohnungaus der Spandauerstraßc No. 64. nach dieser Gasse ver-legte; und weil der Henker im mittleren Zeitalter die Schutz-gercchtigkeit über die sogenannten gemeinen Frauen hatte,sie ihm eine Abgabe entrichteten, und wenn er an einemOrte gerufen ward, im gemeinen Fraucnhause abtrat unddaselbst beköstiget wurde, so mögen denn auch die lieder-lichen Dirnen in der Gasse „nahe bei dem Dicbeshenkcr"(oder der Büttelgasse) gewohnt haben, welche in den älterenZeiten durch ihre Benennung das Gewerbe ihrer Bewoh-nerinnen in den dürrsten Worten ausdrückte, ehe sie ihrenjetzigen Namen erhielt 2). — Ungcpflastert war der neueMarkt, wie die meisten ihn umgebenden Straßen, und in

1) s. oben S. 1l3. Bern. 5.

2) Diese Gasse, zwischen der neuen Friedrichs- und Papcnstraße,hieß noch im löten Jahrhundert die Hurengasse; im Todtenrcgister derMarienkirche vom I. 1338 steht: „ein Kind in der Hurengassc, nahebeim Diebeshenker." (Nicolai, Th. I. S. 13.) Eine Gasse, aus demPlatze der kleinen Burgstraße, das Spreegäßlein, nannte man aus dernämlichen Ursache das Frauengäßlein. Dies liederliche Frauenvolk (v.ScUmiclt, <3nU. mcmnraU. Noral. vec. I. p. 64.) wurde von Zeit zuZeit an einen Karren mit zwce Räder» geschlossen und mußte den Gas-