Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

291

grünen Donnerstag der heiligen Woche und wollte in derSeinem Wohnzimmer nahe liegenden Schloßcapclle mit Sei-ner Gcmahlinn und Seiner nächsten Umgebung das heiligeAbendmahl halten. Er und Sie empfingen es mit Rührung.Nach der fruchtbaren Bibelstellc:Denen die Gott lieben,müssen alle Dinge zum Besten dienen," war davon gespro-chen:Wie auch schmerzhafte Erfahrungen dann, wenn manGott liebt, zum Segen werden." Eine fromme, unvergeß-liche, für die sichtbare und unsichtbare Welt verlebte ruhigeheilige Stunde! Nach beendigter Feier wurde ich gerufen,und Beide, noch bewegt, empfingen mich gütig, aber schwei-gend; in dem seelenvollen Auge der Fürstinn glänzten helleThrnnen. Endlich unterbrach ich das Stillschweigen undsagte zu Ihr:das Abendmahl des Herrn sei auch darumwichtig, weil es Aufforderung wäre, sich selbst zu prüfen,und mit sich selbst einmal wieder Rechnung zu halten. Mankönne, um von aller Eigenliebe frei zu werden, darin nichtstreng genug gegen sich selbst sein. Wäre man wahr undausrichtig, so würde man seine Fehler, Schwächen und Un-vollkommcnhcitcn, auch fühlen und gewiß dann dem Herrndas Gelübde bringen, besser zu werden. Dieß schließe abernicht aus, daß man auch des Guten, das man gcthan undder Erfüllung seiner Pflichten sich bewußt werde; denn wahreDcmuth sei die richtige Würdigung seiner selbst. Dieß guteBewußtsein mildere den heilsamen Schmerz der Neue underfülle die Seele mit Dank, Vertrauen und Muth. Wenndieß richtig sei, dann werde Sie, die Fürstinn, gewiß dasheilige Abendmahl jetzt mit Segen genossen haben, ^>a Sicim verflossenen trüben Winter treu und gewissenhaft IhrePflichten in Wartung und Pflege des Königs so liebevollerfüllt haben." Die Fürstinn sah mich an und schlug die

lv"