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gewarnt. Der König war mit Seinem ganzen Hause gegen-wärtig. Nach beendigtem Gottesdienste kam der Obrist vonWitzleben zu mir in die Sacristci, mir zu sagen, daß Se.Majestät mich um 12 Uhr sprechen wollten, und da dießoft geschah, so erwartete ich auch dießmal, daß von Kirchen-und Schulsachen die Rede sein würde. Als ich in das kleinenach dem Schloßhofe gelegene behagliche Wohnzimmer trat,sagte der König, der allein war, zu mir: „Nun wird dasRichten angehen!" Offenbar bezog sich dieß auf die bib-lische Stelle: „Richtet nicht!", über welche ich eben gepre-digt hatte; da ich aber die Anwendung nicht verstand, soschwieg ich. Der König sagte noch einmal, mir näher tretend:„Das Richten wird nun angehen!" Ich glaubte Etwas
des Königs lag überhaupt nichts Verstecktes und Heimliches,Alles darin war ehrlich, offen und klar, so daß Einem dabeiwohl war. Als der Russische Kaiser Alexander kurz vor seinemEnde nach dem Ritus der griechischen Kirche beichtete, sagteer zum Geistlichen- „Nehmen Sie mir die Beichte ab, wieeinem schlichten Bürgersmann." So war der KönigFriedrich Wilhelm III. am Liebsten einfach, gerade und auf-richtig, und eben darum war Er ein vortrefflicher Köisig, weilEr ein edler Mensch war. So kannte ich Ihn, so Jeder, derIhm nahe stand. Darum ficht man es diesem Buche auf allenSeiten an, daß ich offen, ohne Rückhalt, treuherzig erzähle,was ich von Ihm weiß, und daß es mir gar nicht eingefallen,irgend Etwas zu verschönern, geschweige denn zu verstecken,weil es dergleichen hier nicht giebt. Warum sollte ich denn nunverschweigen, was ich von Seiner zweiten Vermählung weiß?Mögen das Manche tadeln; das kann ich ertragen, der Wahr-heit und guten Absicht mir bewußt. Der Unterrichte weiß, daßAlles, was hier wie Schmeichelei aussieht, die stille einsamefromme wirkliche Trauer um den großen Todten nur vermehrt,und der Hoffnung auf das Himmlische Nahrung giebt.