Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

168

lichen Apotheosen; es giebr keine Heiligen, nur Einer istheilig. *) Der Apotheker Franke mag vergessen werden,

*) Der Mystiker und Pietist führt alles Gute einzig und alleinauf Gott zurück; sehr wahr und richtig, — aber darüber sollenund dürfen wir die Menschen nicht vergessen, durch welche ermittelbar giebt und wirkt. Wenn sie statt Böses Gutes thun;sich gläubig selbst verläugncn und beherrschen; von ihrem Ver-mögen einen weisen, menschenfreundlichen Gebrauch machen,und sich von einer nur würdigen Seite zeigen: so gebührt ih-nen Achtung und Dank. Dieser Dank ist ein natürlicher Aus-fluß der Liebe, womit wir nach der Lehre Christi alle Menschen,besonders aber unsere Wohlthätcr, umfassen sollen. Der Dankund seine Aeußcrung verschönert, bereichert und vergeistigtdas Leben; er ist das schöne zarte Band, welches Menschenan Menschen knüpft und den Verkehr in der Welt friedlichzusammenhält; er ist es, der die Vergangenheit inhaltrcich, dieGegenwart genußreich, und die Zukunft heiter macht. Ein gu-ter Mensch ist darum auch immer ein dankbarer Mensch, sowieUndank das schwärzeste Laster ist. Mit Recht sagt man: ,,Wenndu Jemand einen Undankbaren genannt hast, hast du von ihmalles Nachtheilige gesagt." sln^ratum «i üixeri«, omnin «lix-isti). Die Pietisten und Mystiker unserer Zeit sind aber inihrer Uebcrspannung darum undankbar, weil Gott und der Herrallein ihnen Alles ist, und die Menschen ihnen nichts sind; unddoch können Gott und Jesus Christus nur dann erst Alles werden,wenn die Menschheit uns Alles geworden ist und wir für sieleben und wirken. Nur durch den Bruder, den wir sehen,kommen wir zu Gott, den wir nicht sehen, und nur der, wel-cher in der Liebe bleibet, bleibet in Gott, und Gott in ihm.Alle Frömmigkeit ohne Menschenliebe ist Wahn und Selbstbe-trug. Opfere dich für den Pietisten und Mystiker auf, reißeihn aus Noth und Verlegenheit, verschaffe ihm ein Amt, dieneund hilf ihm, — aber erwarte von ihm keinen Dank, denn dubist es ja nicht, der du ihm dich hingegeben hast, der Herr istes, der den Willen und die Kräfte dazu gab, ihm allein, undnicht schwachen Menschen, gebührt der Dank. Ich darf bei