Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
94
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„Wie alle einsichtsvollen und weisen Männer, die überdas Verderben der menschlichen Natur und die wirksamstenMittel zu ihrer wahren Veredlung gründlich nachgedacht haben,in der Uebcrzeugung zusammen treffen, daß damit schon inder Jugend der Anfang gemacht, lind das kindliche Herzschon früh für Gott und die Tugend gewonnen und gestimmtwerden müsse: so finden wir diese Ucberzeugung nirgendsklarer, bestimmter und vielseitiger ausgesprochen, als indem Denken und Thun der großen Männer, welche dasunsterbliche Werk der Reformation zu Stande gebracht haben.Vor Allem war dieß Luthers Uebcrzeugung und Glaube.Es ist billig, daß wir dabei seiner, als des Helden unseresFestes, ganz vorzüglich gedenken, sowie es zugleich das An-ziehendste ist. Und in Wahrheit, den wohlthätigen Einflußder Reformation auf die religiöse Erziehung und Bildungder Jugend können wir uns auch nicht klarer machen, alswenn wir bei seinem hohen, anziehenden Bilde verweilen, unddann fragen: was dieser ernste große Mann für die Kinderfühlte? Was er für sie that? Was er für sie hin-terließ? O! möchte es mir gelingen, ihn von dieser höchstanziehenden Seite treu und würdig zu schildern!"

„Also erstlich: Was fühlte Luther für die Kinder?Daß er ein Mann war, den eine tiefe Kraft, ein kühnerMuth, ein hoher Ernst, eine trotzende Festigkeit beseelte,wissen wir Alle; aber daß er damit ein zartes und feinfüh-lendes, ein liebevolles und mildes Herz verband, und soGeist und Gcmüth, und Kraft und Liebe, herrlich in ihmverschmolzen war, wird weniger bemerkt und oft übersehen.Und doch ist es gerade diese harmonische Verbindung, dieihm Vollendung gab, die auf der einen Seite ihn so groß,