Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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zugefallen waren, nicht sehr geliebt wurde, am Wenigsten inWittenberg, wo man es nicht vergessen konnte, daß die alteUniversität größtentheils mit ihren reichen Fonds von daweg nach Halle verlegt war und man nur ein Prediger-Se-minar wieder erhalten hatte, so gewann doch Friedrich Wil-helm III. durch Seinen würdevollen Ernst, durch Seinegütevolle Milde, durch Sein natürliches, einfaches Wesen,vorzüglich durch die wahre Verehrung, die Er für Lutherfühlte und an den Tag legte, die Herzen der Einwohner.Immer ist der große Mann und kühne Reformator, der dortlebte, wohnte, lehrte und wirkte, der dort in der Univcrsi-täts-Kirche neben Melanchthon begraben ist, und an den manunaufhörlich jetzt noch erinnert wird und erinnert sein will,als ein Heiliger genannt. Seit der Zeit aber, daß ihm aufeinem großen freien Platze an der Hauptstraße ein Denkmalerrichtet ist, auf dem man ihn, wie er leibte und lebte, ste-hend mit der Bibel in der Hand erblickt, ist er apotheosirt.Der Fremde bleibt betrachtend stehen, und der Einwohnergeht mit stiller Ehrfurcht vorüber.

Der zweite Tag des Rcformations-Jubelfestes war, wieim ganzen Lande, so auch in Potsdam, ein Kinderfest. Wiein allen Kirchen der Stadt, war in der Hof- und Garnison-kirche die vorher in Festgesängen eingeübte Jugend aus demgroßen Militair-Waisenhause, wie aus der Garnisonfchule,zusammen über Tausend an der Zahl, auf einem Chore ver-einigt. Die Kirche war überfüllt und in frommer Samm-lung wurde folgende Andacht gehalten:

Die Gemeinde.

„Der Herr ist Gott und Keiner mehr!

Frohlockt ihm, alle Frommen!