Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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„Aber auch mit tiefer Anbetung, in Hinsichtauf das Göttliche der Sache, woran das Refor-mationsfest erinnert. Denn worin liegt es, daß dieHelden desselben in ihrem Thun und Wirken die Aufmerk-samkeit und Theilnahme der Welt noch immer auf sich zie-hen? Warum verweilt jeder gebildete Mensch so gern beiihrem Bilde, und fühlt sich so tief und innig davon ange-zogen? Warum ist das, was sie waren, leisteten und aus-richteten, uns jetzt, nach dem Ablauf von dreihundert Jah-ren, noch immer so wichtig, so neu und frisch und groß,als wenn es gestern erst geschehen wäre? O! es ist dasWehen eines höheren himmlischen Geistes, was wir hier em-pfinden. Es ist nicht menschliche Einsicht und Weisheit, —es ist eine göttliche Kraft, die uns hier so wunderbar ergreistund in Anspruch nimmt. Nein, der in Armuth und Dürf-tigkeit lebende, von Allem, was Ansehen, Macht, Einfluß undGewalt heißt, entblößte Luther hätte, von tausend Gegnernund feindseligen Hindernissen umringt, seine Riesenarbeit nim-mer zu Stande gebracht; nimmer würde es ihm gelungensein, so erschütternd und gewaltig, so tief und schnell, so weitund dauernd zu wirken, und dem ganzen Europa eine an-dere Gestalt zu geben, wenn sein Werk ein Werk von Men-schen gewesen wäre. Aber sein frommes Herz glühete undschlug für die Sache Gottes und Jesu. Seines Herrn undMeisters untrügliches Wort war es, was seine Donnerstimmeverkündete. Dieses wunderbare, vom Himmel herabgekom-mene, Mark und Bein durchdringende Wort war es, daswie eine Stimme Gottes über den Erdkreis erscholl, dieMacht einer feindseligen Welt entwaffnete, ihre Ketten zer-riß, ihren Widerstand zertrümmerte, und im Inneren dermenschlichen Natur, in den Bedürfnissen aller frommen