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dem, der zehn Pfund hat. Und sie sprachen zu ihm: Herr,hat er doch zehn Pfund. Ich aber sage euch: Wer da hat,dem wird gegeben werden, daß er die Fülle habe; von demaber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, daser hat." Lucas I, V. 12 — 26.
Der tiefe Ausspruch: Wer da hat, dem wird gegebenwerden, daß er die Fülle habe; von dem aber, der nichthat, wird auch das genommen werden, das er hat, ist, wieer sich besonders auch an Luther bestätigt, der bedeutungs-volle Titel des Reformationswerkcs. Es ist gegründet aufder Wcltansicht der heiligen Schrift, unerschöpflich, und werin ihr suchet, der findet. Aber nur der hat, besitzt und ge-nießt, wer gebraucht; nur der erhält, welcher vermehrt. Sol-len wir nun das Werk der Reformation und die Augsbur-ger Confcssion in ein Schweißtüchlein wickeln und jene fürvollendet und diese in allen ihren Formen für normirend undverpflichtend halten? Diejenigen, welche das thun, vermi-schen Göttliches und Menschliches. Der beseelende Geist istund bleibt unveränderlich derselbe, er thront weit über alleWechsel und wird nicht von ihnen berührt. Aber ihre For-men gehören der Zeit an, und sind, wie sie, vergänglich.Nichts, was lebt und Wirklichkeit hat, steht still, Alles in seinerallgemeinen Evolution, und in seiner individuellen Entwick-lung, wächst und schreitet vorwärts. Das ist eben der in-nere Jammer und die auch äußerlich sichtbar werdende Ar-muth der römisch-katholischen Kirche, daß sie in hierarchischerStagnation still steht; das ist eben die Frischheit und Herr-lichkeit der evangelischen Kirche, daß sie, auf dem ewig festenGrunde, den Jesus legte, fortschreitet und in reicher Man-nigfaltigkeit die wahre lebensvolle Einheit sucht und findet.