437
wohlwollende und gemüthlichc Schreiben des Haus- und«Dtaatskanzlers Fürsten von Metternich thciltc ich dem Königemit. Er las es mit sichtbarer Aufmerksamkeit, bezeigte Seinewarme Thcilnahmc, und indem Er es zurückgab, sagte Ermit wehmüthigcm Tone: „Ja, der redliche Kaiser Franzwar mein Gönner und aufrichtiger Freund. Nun ist aucher nicht mehr hier."
Tief empfand Er seinen Tod und betrauerte ihn.Seine beiden Bundesgenossen, Alexander und Franz, an dieIhn thcurc, werthe Bande knüpften, waren nicht mehr. Erwar nur noch übrig, und damals schon llö Jahre alt. Zuden Leiden und Prüfungen des Alters gehört vorzüglich,daß liebe Menschen, die man eine lange Reihe von Jah-ren kannte, und an welche Vertrauen mit seinen Erinne-rungen fest knüpft, da hingehen, von wo man nichtwiederkommt. Einer nach dem Andern scheidet aus, undder Gräber werden viele, deren Bewohner man kannte. Jeälter, desto einsamer und verlassener wird Alles rings-umher; die junge Welt ist nicht mehr für uns und wir sindnicht mehr für sie. Die Stille der Einsamkeit sagt zu undmahnet an die letzte Nacht. Bei regierenden Herren, derenLeben bunter ist, und die mehr an den steten Wechsel derSachen und Menschen, an ihr Austreten und Verschwinden,an ihr Kommen und Weggehen gewöhnt sind, soll es anderssein. Bei Friedrich Wilhelm III. war es nicht anders, undEr empfand um so tiefer und länger, je weniger Er esäußerte und je stiller Er war. Dazu kommt, daß Er, ganzvon der gewöhnlichen Regel und Erfahrung abweichend, mitden Jahren immer milder ward. Seine natürliche Heftigkeitverlor sich fast ganz; je reicher Sein Leben an Erfahrungen