Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
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Kaiser hin, die Kaiserinn aber war mit Schreiben, Lesen,Musik, und weiblichen Handarbeiten, umgeben von wenigengebildeten Hofdamen, die sie als ihre Freundinnen liebte undbehandelte, beschäftigt und unterhalten. Ihr gebildeter Geistund ihr reiches Gemüth wußte in dieser wohlthucnden Stillenichts von langer Weile, und ihr sanftes, liebevolles Herz,auch wenn sie kränkelte, nichts von übler Laune. Beide be-schäftigten sich in frühen Morgen- und späten Abendstundenmit Lectüre und Erbauungsschriften. Die angenehmen Ge-genden uin Taganrog hatten sie lieb gewonnen, und mansah fast täglich, wenn gute Witterung war, sie, Hand inHand langsam gehend, die nächste Umgebung besuchen. Be-sonders verweilten sie gern auf einem Sitze, der den Augeneine schöne Gegend und eine entzückende Ansicht darbot. Hiersaßen sie Stunden lang und unterhielten sich zutraulich, woein Wort das andere, ein Gedanke den anderen gab. Sieredeten von der Vergangenheit, gedachten der Zukunft, undgenossen die Gegenwart. Sie waren, still und zurückgezo-gen, sich einander genug, und vermißten die große Welt undPetersburg mit allen seinen glänzenden Herrlichkeiten nicht.Ohne Zwang bewegten sie sich frei, und mit dieser Kunstlo-sigkeit und Freiheit war wahrer Lebensgenuß, Ruhe undZufriedenheit bei ihnen eingekehrt. Sie kehrten ein und aus,und aus und ein, in gleichförmiger geordneter Lebensweiseund die Einwohner des ruhigen Taganrog waren schon an denAnblick des dort wie zu Hause gehörenden Kaiserlichen Ehe-paares so gewöhnt,, daß er alles Fremde für sie verlorenhatte. Es war nicht anders, als wenn es so sein müßte, —so bewegte sich vom Morgen an durch den lieben langenTag, bis der dunkle Abend kam, Alles in gehöriger und ge-ordneter Reihenfolge. Aber der Mensch hat hier keine blei-