nichfachen Kulturstufen sich befindende große Russische Reich,darüber ist um so weniger ein Urthcil erlaubt, als die älterenund neueren Nachrichten über dieses entfernt, wie verschlossen,liegende Land sehr verschieden lauten, und oft von derAnimosität und dem Zeitgcistc eingegeben, durch andere unddurch Thatsachcn widerlegt werden.
Aber die interessante historische Parallele zwischen demOcstrcichischen Kaiser, Joseph II., und dem Kaiser von Ruß-land, Alexander I., tritt von selbst hervor. Joseph I!. war,geweckt von Friedrich dem Großen, seiner Zeit voran geeilt,und wollte seine Unterthanen auf eine Stufe der Bildungerheben, für die sie noch nicht reif waren. Die zwischenlic-gcndcn allmähligcn Ucbergänge hatten sie, wenigstens der grö-ßeren Mehrzahl nach, noch nicht in der Erfahrung durchge-macht. Sie standen noch unter lebendigen Einflüssen, diezuviel vermochten und denen sie zuwenig entwachsen waren,als daß ihre offenbare und versteckte Gegenwirkung aufhörenkonnte. Kraft und Widerstand, in der physischen, wie inder intellcctuellen und moralischen Welt, nach festen Gesetzengeregelt, hatte der edle Herr nicht genug berechnet; dieserwar mächtiger, nicht bloß bei einzelnen Corporationen, son-dern auch in der Bolksstimmung, als jene, die größtentheilsnur einzeln von seiner Person ausging. Er konnte also nichtdurchkommen; er erlag und hatte den Schmerz am Endeseines verfehlten, frühe geendeten Lebens, zurücknehmen undwiderrufen zu müssen, was er gewollt und eingeleitet hatte.Er war ein leuchtender Blitz, aber kein Morgenroth.
Alexander I. war ein Herr voll Menschenliebe, undtrug in sich die Ideale des Christenthums, um sie zur Wirklich-keit zu bringen. Sein edles empfängliches Herz glühete,