Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
280
Einzelbild herunterladen
 

280

traulichen Verkehr, und es ist geschichtlich gewiß, daß Steinein vorzügliches Werkzeug für Entwickclung der großen Welt-

wohlzuthun und zu erfreuen war stets sein Genuß gewesen, undwurde es mehr und mehr in seinem Alter. Sein ruhigesKappenbcrg war der Wohnsitz behaglicher Gastfreundschaft undJeder von Bedeutung besuchte ihn. Er behielt, wiewohl seinGesicht abnahm, die Lebendigkeit des Geistes und Wärme desHerzens, bis zu seinen letzten Augenblicken. Diese waren sanftund selig, und Kappenbcrg ist merkwürdig dadurch geworden,daß auf ihm in stiller Schlafkammer starb' einer der vorzüglich-sten Männer seiner Zeit.

König Friedrich Wilhelm III. kannte und erkannte seinenWerth, ehrte und schätzte ihn. Die freilich übertriebene Nach-richt: Stein sei erblindet, erhielt Er zu Paretz, und bezeigtewicdcrhotcntlich an diesem harten Schicksal inniges Bedauernund Theilnahme. Seinen dann erfolgten Tod empfand Er tiefund Er nannte seinen Namen mit Achtung. Der König bedientesich vorzüglich seines Rathcs, als er noch um Ihn war, unddie meisten freisinnigen Institutionen unseres Staates, zu denenvorzüglich die Städte-Ordnung gehört, sind sein Werk. Erwar auf gerader ebener Bahn zu dem gewissen Ziele der ge-meinschaftlichen Wohlfahrt, ein Mann des Vorwärts, und wie-wohl er einen Werth darauf legte, Rcichßfreihcrr zu sein, sowar er doch kein Aristokrat und sein Heller Geist, sein klaresGemüth war genesen von allen Vorurtheilcn. In dieser Be-ziehung war er dem Konige und Seiner Regierung wichtig;aber seine Raschheit und Heftigkeit paßte nicht zu der Mildedes Herrn. Eine Sache und die gelegene Zeit ruhig abwarten,und bis dahin Einhalten und Zögern lag nicht in der Den-kungsart Stcin's; bei ihm und in seiner Behandlung mußteAlles biegen, oder brechen. Deshalb spmpathisirte er besser mitdem identischen Sinne des Kaisers Alexander und er war ganzfür das Geschäft der Vertreibung der Franzosen aus Deutsch-land gemacht. An der Spitze der Administration dieser großenSache, ging ihm Alles nicht rasch genug. Er thciltc seinenHaß gegen Napoleon dem Kaiser von Rußland mit, und die