Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
255
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die Frage verneinte, sagte der Kaiser wohlwollend:KommenSie mal hin und lassen es mich gleich wissen. Sie sollenalles Merkwürdige sehen. Ich weiß wohl, die Deutschenhaben eben keine vortheilhaste Meinung von Rußland; manhält es für das Land der Barbarei und Sklaverei, der Noh-hcit und Unwissenheit. Dieß ist, wenn man überhaupt da-von spricht, sehr irrig. Die höheren Stände in den Haupt-städten, besonders in Petersburg, sind sehr cultivirt, undmehr, als gut und mir lieb ist, polirt. Der Mittelstandlebt behaglich, das Volk ist gut, es waltet in ihm ein ge-sunder Geist, es ist gcmüthlich, und befindet sich bei seinerpatriarchalischen Lebensweise sehr wohl. Die alten Gebräuchesind antike Gefäße, in welchen sich eine Herzlichkeit undKindlichkeit befindet, von der die moderne Welt nichts mehrweiß, und nichts mehr wissen will, ohne deßhalb glücklicherzu sein. Das Reich ist groß und in den entfernten Gegen-den die Bevölkerung dünn. Was in anderen Ländern pas-send und Bedürfniß ist, ist darum noch nicht passend undBedürfniß für Rußland; seine Nationalität, in der viel Gu-tes liegt, darf es nicht verlieren. Der Hecreszug der Rus-sischen Armee durch Deutschland nach Paris wird ganzRußland zu Gute kommen. ES beginnt auch für uns eineneue Epoche in der Geschichte und ich habe noch Vielesvor." Hier wurde der Kaiser nachdenkend und rieb sich dieStirn.Kommen Sie nur, es wird Ihnen schon bei unsgefallen," sagte er weiter. Er näherte sich wohlwollend, gabmir die Hand, hielt sie fest und drückte sie.Es ist nurwerth," setzte er hinzu,Ihre persönliche Bekanntschaft ge-macht zu haben. Leben Sic wohl!" Tief verbeugte ichmich vor dem hohen, mächtigen Herrn, der in seinemhellen Urthcil, wie in seiner Charäktcrgütc, Verehrung, Dank-