Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
247
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digen Wärme und drückte seine Hand an's Herz. Ich sahund hörte es dem hohen Herrn an, daß es ihm damit einwahrer, srommer Ernst war. Von diesem Augenblick anverlor die Unterredung die Form einer steifen Audienz. DieWahrheit, welche dieselbe ist und bleibt, es mag sie einmächtiger Kaiser, oder einer der geringsten Unterthancn aus-sprechen, machte ihre ewigen Rechte geltend. Wie mir, .mithineingezogen in den Strom sympathetischer Rede, zu Muthcwar, aus dem Munde des Monarchen, dem so Vieles anver-traut war, diese und solche Worte, gesprochen mit der liebens-würdigsten Offenherzigkeit, zu hören, kann ich nicht beschrei-ben. Mich ergriff eine tiefe Rührung und ich sagte:Gotthat Ew. Kaiserliche Majestät hoch gestellt: aber höher undgrößer, als alle irdische Macht, Größe und Herrlichkeit, welcheer Ihnen verlieh, ist dieß Bckcnntniß Ihres Mundes unddiese Ucberzeugung Ihrer Seele. Dadurch bekommt Ihreirdische Größe das Element des Himmlischen." Der Kaiserschwieg und schlug die Augen nieder: dann sah er michernst, jedoch milde an, berührte mit seiner Hand meine Ach-sel, und tief Athcm holend fuhr er fort:O! ich bin auchnicht auf einmal dahin gekommen: glauben Sic mir, derWeg dahin ist durch manche Kämpfe und Zweifel gegangen.Die Kaiserinn Catharinc war eine kluge, geistreiche, großeFrau und ihr Gedächtniß lebt in der Russischen Geschichtefort; aber mit der Erziehung zur wahren Hcrzensfrömmigkeit ging es am Hofe zu Petersburg, wie fast überall: vielWorte, aber wenig Geist; viel äußeres Formclwerk, aber dieheilige Sache des Christcnthimis selbst blieb uns verborgen.Ich suhlte eine Leere in der Seele und eine unbestimmteAhnung schwebte mir vor. Ich ging dahin und zerstreutemich.Aber", sprach er mit wahrhast orientalischer Bcgci-