scrc Jugend, die Gymnasien, die Universitäten und ihre Leh-rer, dachte er sich nicht so, wie sie wirklich sind. Weil erdie Religion mit der Phantasie auffaßte, war er nicht ganzklar, und fand Wohlgefallen an Männern und Frauen, diemehr in Bildern, als in deutlichen Begriffen lebten..Er nahmnach seinem edlen Herzen und dessen Gefühlen seine nächsteUmgebung und die Welt so, wie sie sein sollte, und ideali-sirtc sie; sie war aber in der Wirklichkeit ganz anders.Diese Täuschungen vertauschte er gegen andere; und wennerdolche sich nicht länger verbergen konnte, war Verstim-mung und Melancholie die unvermeidliche Folge. Daherwar er einen Tag nicht wie den andern. Der Grundtonseines Gemüths war und blieb aber rein und edel. VonHerzen wollte er nur das Gute; er liebte Gerechtigkeit überAlles, und war ein Menschenfreund, wo er stand und ging.Wenn auch nicht überhaupt, so war er doch seinem großenReiche und der Stufe der Bildung, die es unter seiner Re-gierung einnahm, vorausgeeilt, und Despotie, die seinemNaturell zuwider war, ist nie von ihm wissentlich begangen.
' Nach seiner Stimmung wollte er Alles durch Liebe beglücken.Sein Aeußercs, edel und würdevoll, war nicht herrisch undgebieterisch. Man sah wohl in ihm den Kaiser; aber dieserschreckte nicht, man sah zugleich den wohlwollenden Men-schen. Er bewegte sich leicht und gewandt, und war inseiner Manier freundlich und höflich. Alles Steife und Ge-zwungene war seiner Lebendigkeit fremd, und imponirendcFeierlichkeit war ihm auch bei Präsentationen nicht eigen.Er liebte nicht die Pracht, und gemüthlich und gesprächigsah man ihn ohne nahe und entfernte Begleitung mit un-serem Könige gehen, und in einem gewöhnlichen Wagen mitzwei Pferden fahren. Früher soll er ein schöner Mann gc-