Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
218
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eigcnthümlichcn selbst gewählten Farbe; Jeder hatte ein miteiner sinnreichen Inschrift und ritterlichem Wahlspruch ver-sehenes kriegerisches Schild; auf dem des Kronprinzen standz. B.:Puls Viktoria!" auf dem des Prinzen Wilhelm vonPreußen: »Gott mit uns!" auf dem des Prinzen AlexanderSolms: »Dem Feinde die Stirn, dem Freunde die Brust;"u. s. f., und Jeder hielt sein blankes, glänzendes Schwert.Dieser zahlreiche Zug, an welchem jedes einzelne Glied herr-lich anzusehen war, gefuhrt von dem Brigadier und Com-mandeur der Garden, dem Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz, nahm entlang der langen Reihe der Eingeladenenseinen Weg, und sobald die hervorragende Stelle erreicht war,wo die schöne, wurdevolle Kaiserinn thronte, salutirte jederRitter mit ehrerbietig gesenktem Degen die hohe freundliche,dankende Frau. Dieß wurde unter Abwechselungen, bald inkurzen, tanzenden Sprüngen, bald schneller, bald mit verhängtenZügeln, mit hinreißender Geschwindigkeit und großer, anmuths-voller Gewandtheit, unter fortgehender harmonischer Musik-Begleitung wiederholt. Bei einem Zuge, in der Hälfte desRittcrspieles, wurde still gehalten, in der Mitte des reichenPlatzes, wo die Kaiserinn saß. Wie alle Ritter, so senktevor ihr Herzog Carl von Mecklenburg*) seinen Degen, und

') Herzog Carl von Mecklenburg war vielseitig gebildet, wußteschön zu reden, gut zu schreiben, und Alle, die ihn persönlichgekannt haben, fanden ihn interessant. Er war tapfer undgeistreich; Jenes hat er bei vielen Gelegenheiten im großenBefreiungskriege, da, wo es darauf ankam und es galt, Diesesals Präsident des Königlichen Staatsrathes, dessen Debatten-Strom er geschickt zu leiten wußte, bewiesen. Seit dieser Zeitstieg er in der öffentlichen Meinung, die er früher gegen sich