2l3
gcs Gefühl genug, um sich nie unbescheiden vorzudrängen!wenn sie ober sich schüchtern zurückzog, suchte sie der Königin der Menge auf und redete sie freundlich an. Sic hattein Paretz oft die Hochselige Königinn gesprochen und alleKöniglichen Kinder aufwachsen sehen, denen sie sichtbar diegrößte herzliche Theilnahme widmete. Wahrheit und Naturliebte der König über Alles, und schätzte sie in jeder Form,wo Er sie fand. Einst sagte Er zu ihr: „Nächstens werdeich wiederkommen, und alle meine Kinder mitbringen; siebesuchen mich alle." „Das ist schön; da werden Ew. Ma-jestät sich recht freuen. Kommen denn die Nüssen auch?"Viele aus der Königlichen Umgebung konnten sich desLächelns nicht enthalten; die alte ehrliche Bauersfrau wurde,wie sie das sah, ängstlich und verlegen; aber der Könignahm sich, noch näher tretend, ihrer an, und sagte ruhigund gütig: „Ja, die kommen auch, und Ihr sollt sie sehen."Wirklich kamen sie; und der König führte Seine Tochter,die erhabene Kaiserinn, zu der alten Flotow, die mehr alsAndere sich hatte nähern dürfen. Die Kaiserinn kannte sieschon seit lange und hatte sie lieb. Sie sprach freundlich mitihr und erkundigte sich teilnehmend, wie es ihr so langegegangen; dann zeigte sie ihr ihre Kinder. Die Frau waraußer sich vor Entzücken, und wollte der jungen Großfür-stinn das Kleid küssen; aber die Kaiserinn rief der Tochterin fremder Sprache zu, es nicht zu gestatten, vielmehr siezu küssen; und die Großfürstinn küßte nach Russischer schö-ner Weise die Stirn der alten Frau. — Schöne, erhabeneScene auf stiller ländlicher Flur! doch keine Sccne, viel-mehr Ausfluß des Herzens, welches die göttliche Macht derLiebe kennt und ihrem himmlischen Anhauche folgt. So hatder König durch Sein schlichtes und einfaches, aber eben