Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
188
Einzelbild herunterladen
 

188

Diese traurige Erscheinung brachte Er in Verbindung mitden gerühmten Fortschritten in der Volksbildung und derVerbesserung der Schulen. Er wurde dann oft bitter, undwar mißtrauisch gegen Alles, was sich vielversprechend vonvorn herein ankündigte. „Erst den Erfolg abwarten!" warbei Ihm eine stehende Rede. Er war ein durch und durchpractischer Mann, der für die Ideale der Theorien keinenSinn hatte, und Alles, was geschah und vorgeschlagen wurde,an den Maßstab des Wirklichen legte. So wurde Er derweise, ruhige und wohlthätige, Segen bringende König, derSein Land und Volk im Fortschritte der Zeit beglückte undaus der Tiefe des Elends auf die Höhe des Wohlstandesund der Ehre brachte. Was Er geworden, ist Er durchdie Erfahrungen, durch welche Sein merkwürdiges Lebengegangen, geworden. Der frühe Tod der Königinn, die IhmAlles war, hatte Seine Menschenkenntnis! bereichert; vonVorurtheilen Ihn befreiet; Seinen Blick freier und offenergemacht; Seinem Volke, das mit Ihm trauerte, Ihn nähergebracht; Ihn fester, sclbstständiger und unabhängiger gemacht;Seinem Leben und Wirken Gleichmut!) gebracht; Seinem Cha-rakter Milde, Seinem Herzen Liebe, Seiner Stimmung Weh-muth gegeben; was Er in der Schule der weise und gut benutz-ten Leiden aus sich selbst herausgebildet, wurde befruchtet undreif durch die geistliche und sittliche Gemeinschaft, in welcherEr sortdauernd mit der Himmlischen stand. Sie ist, wie sooft poetisch gesagt, durch diesen Ihren moralischen Einflußder gute Engel, der Schutzgeist Preußens geworden, dervon Sternenhöhen es segnete. Von Oben herab holte undempfing König Friedrich Wilhelm III. die Weisheit undMilde, womit Er erst sich Selbst erfüllte und dann SeinLand regierte. Er wußte das selbst recht gut, woher Ihm