Druckschrift 
2,2 (1845)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

170

und verweilten sie an dem Orte, den Sie besonders liebte,da, wo die Aussicht im Parke sich aufthut und man eineoffene, freie An- und Fernsicht auf die im malerischen Far-benspiel daliegenden üppigen Wiesen und die fernen Kirch-dörfer hat, deren Glockcntöne, getragen von sanften Lüften,geisterhast herüber hallen. Hie und der sieht man im hel-len Lichte den Havelstrom durchschimmern, auf demselbenschwimmen still und ruhig Schiffe mit gefüllten Segeln undhohen Masten. In der umschatteten Helldunkeln, auf dieserStelle gelegenen Grotte war die Königinn oft und gern ge-wesen; hier hatte Sie oft gesessen und an den frohen Spie-len Ihrer Kinder Freude gehabt; hier hatte Sie in stillerfroher Einsamkeit manches unterhaltende Buch gelesen; hierwar in seliger Lust Sie oft mit dem Könige auf- und ab-gegangen. Hier war es auch, wo Sie — ach: Sie ahnte esnicht, — zum Letztenmal in der wohlthuenden sanften Stim-mung der Wehmuth einen schönen Frühlingsabend genoß;Sie konnte sich nicht von diesem lieben Orte trennen, undals bei'm Untergange der Sonne der König daran erinnerte,daß es Zeit zum Aufbruche sei, bat Sie, um den Aufent-halt zu verlängern, daß sie nicht erst zu dem entfernt lie-genden Schlosse zurückgehen möchten, sondern die Wagenauf der nahen Landstraße heranfahren und sie^sich da ein-setzen möchten. Ehe dieß bestellt und geschehen, verging nocheinige Zeit, wo die Königinn an dem prächtigen Schauspieleder untergehenden Sonne Ihre stille Erbauung hatte. Siestand auf, faßte den König an, — an Seinem Arme gingSie langsam und sinnend den Steig zum Fahrweg hinabdurch die Pforte zu dem vorgefahrcnen Wagen; es war dasLetztemal, daß Sie in Paretz war, — Sie war es nie wieder!